NSU-Prozess Zschäpes Anwalt greift Altverteidiger an

Beate Zschäpes Anwalt Mathias Grasel hat die ursprünglichen Altverteidiger scharf kritisiert und deren Entpflichtung beantragt. Anja Sturm, Wolfgang Stahl und Wolfgang Heer hätten die Angeklagte zum Schweigen gedrängt.


Im NSU-Prozess hat der neue Pflichtverteidiger von Beate Zschäpe die drei alten Anwälte der Hauptangeklagten attackiert. Mathias Grasel beantragte die Entpflichtung von Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm.

Grasel begründete dies damit, dass es seit fünf Monaten keinen Kontakt Zschäpes zu diesen Anwälten gebe und diese in die neue Verteidigungsstrategie nicht eingebunden seien. Außerdem warf Grasel den Altverteidigern vor, Zschäpe falsch beraten zu haben. Zschäpe sei von ihnen blockiert worden, das Vertrauen sei erschüttert, sagte Grasel.

Es sei Zschäpe nicht möglich gewesen, ihr langes Schweigen im Prozess aus eigener Kraft zu brechen. Sie habe sich 2011 nicht gestellt, um dann zu schweigen, sei aber von ihren alten Pflichtverteidigern dazu gedrängt worden.

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NSU-Prozess: Anwalt verliest Zschäpes Aussage
Zschäpe muss sich vor dem Oberlandesgericht München als Mittäterin an sämtlichen Verbrechen verantworten, die dem NSU angelastet werden, darunter zehn Morde.

Die 40-Jährige bestritt in ihrer Aussage, die Grasel vortrug, etwas mit den Morden zu tun zu haben. Ihre Freunde Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hätten die Taten begangen und sie jeweils danach informiert. (Die wichtigsten Punkte finden Sie hier im Überblick. Das Minutenprotokoll der Aussage lesen Sie hier).

Zschäpe ließ ihren Anwalt Grasel vortragen, dass sie nicht die Kraft gehabt habe, gegen den Willen ihrer Freunde zur Polizei zu gehen. Auch bestreitet sie die Mitgliedschaft im "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU). Der Name NSU sei allein eine Erfindung von Uwe Mundlos gewesen, allenfalls könne noch Uwe Böhnhardt der Gruppe zugeordnet werden.

Am Ende ihrer Aussage entschuldigte Zschäpe sich bei den Angehörigen der Opfer. "Ich fühle mich moralisch schuldig, dass ich zehn Morde und zwei Bombenanschläge nicht verhindern konnte." Die Nebenanklage hat dies jedoch als "Lügenkonstrukt" kritisiert.

Nach der Erklärung der Hauptangeklagten Beate Zschäpe wird der NSU-Prozess erst am kommenden Dienstag fortgesetzt. Die Verhandlung an diesem Donnerstag falle aus, gab der Vorsitzende Richter Manfred Götzl bekannt. Es gehe jetzt darum, Zschäpes Einlassung aufzuarbeiten. Zschäpe solle prüfen, ob sie einen Teil der Fragen nicht auch direkt beantworten könne.

Zschäpes Erklärung im NSU-Prozess

gam/dpa/Reuters/AFP

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