NSU-Prozess Zwillingsbrüder aus Jena verweigern die Aussage

Zwei Zwillingsbrüder sollen die Jenaer Neonazi-Szene in den Neunzigern mit Waffen versorgt haben. Vor dem Münchner Oberlandesgericht wollten sie sich nun nicht belasten - und verweigerten die Aussage.
NSU-Prozess (Archiv)

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Foto: Johannes Simon/ Getty Images

Vor dem Münchner Oberlandesgericht ist der NSU-Prozess fortgesetzt worden: Zwei Zwillingsbrüder, die in den Neunzigerjahren die Neonazi-Szene in Jena bewaffnet haben sollen, verweigerten die Aussage.

Die Brüder beriefen sich auf ihr Recht, sich nicht strafrechtlich belasten zu müssen. Die Bundesanwaltschaft unterstützte das Duo dabei. Das Oberlandesgericht hatte sich von den Männern Antworten erhofft - auf Fragen zur Beschaffung der NSU-Mordwaffe vom Typ "Ceska" und weitere Waffen.

Im NSU-Prozess ist die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe zusammen mit vier mutmaßlichen Unterstützern angeklagt. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft bei zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen vor. Das Motiv soll bei fast allen Taten Fremdenhass gewesen sein.

Staatsanwalt Jürgen Weingarten sagte, ein anderer Zeuge habe den Verdacht aufgeworfen, einer der Zwillingsbrüder habe bis zum heutigen Tag ein verstecktes Waffendepot. Demnach komme das "Delikt des Dauerbesitzes von Waffen" in Betracht, so dass "der Zeuge zurecht geltend macht, dass er Fragen nicht beantworten muss". Dasselbe gelte für den Bruder, da er ein naher Angehöriger sei.

Die Herkunft der "Ceska"

Die Verteidiger des Mitangeklagten Ralf Wohlleben forderten, die Herkunft der "Ceska" erneut zu untersuchen. Wohlleben soll die Waffe nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft organisiert haben. Er bestreitet das.

Laut Anklage stammt die Waffe aus der Schweiz. Dort soll sie legal bei einem Waffenhändler gekauft und dann über Mittelsmänner nach Jena geschmuggelt worden sein.

In ihrem Beweisantrag nennen die Wohlleben-Verteidiger die Namen mehrerer Mitarbeiter des Waffenhändlers, die bezeugen würden, dass der Händler Waffen auch an Personen ohne Waffenerwerbsschein verkauft habe.

Ein weiterer Zeuge, dessen Name als Kunde in den Unterlagen des Geschäfts stehe, werde aussagen, er habe die darin dokumentierten Waffen nie erworben. Damit sei "der Weg der ,Ceska' nach wie vor nicht gerichtsfest geklärt", sagte Rechtsanwalt Wolfram Nahrath.

wit/dpa
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