Cash aus dem Untergrund NSU verschickte Geldbriefe an rechtsextreme Organisationen

Propaganda aus dem Untergrund: Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe haben aus ihrem Versteck offenbar Briefe an rechtsextreme Organisationen und Szene-Zeitschriften verschickt. Inhalt: Spenden für die Gesinnungsgenossen, von denen man sich wohl Unterstützung erhoffte.
NSU-Geldbrief: Die Schreiben dienten der Anwerbung und Unterstützung von Kameraden

NSU-Geldbrief: Die Schreiben dienten der Anwerbung und Unterstützung von Kameraden

Die Pamphlete steckten in braunen DIN-A-4-Umschlägen. Auf der Vorderseite das von Fackelschein erhellte, grafittiartige Logo des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU), auf der Rückseite gut 40 Zeilen Nazi-Propaganda: Der NSU verkörpere "die neue politische Kraft im Ringen um die Freiheit der deutschen Nation".

Das obskure Schreiben, offenbar im Frühjahr 2002 verfasst, gab den Ermittlern Rätsel auf: Welchem Zweck diente es? Wussten die Adressaten um die Existenz der streng abgeschotteten Terrorzelle?

Lange sah es so aus, als ob lediglich ein Exemplar des mysteriösen "NSU-Briefs" verschickt wurde. Im Mai durchsuchten Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) die Wohnung des Schweriner NPD-Landtagsabgeordneten David Petereit und fanden das Schreiben. In seiner Vernehmung behauptete Petereit, der früher eine rechte Postille namens "Der Weiße Wolf" herausgeben hatte, sich nicht an den Brief erinnern zu können. Auch von der Existenz der Terrorzelle habe er nichts geahnt - obwohl im Jahr 2002 im "Weißen Wolf" ein Gruß an den NSU ("Der Kampf geht weiter...") erschienen war.

Doch Petereit war offenbar nicht der einzige Empfänger. Nach BKA-Erkenntnissen verschickten die Terroristen mutmaßlich eine ganze Reihe dieser Briefe: Im Schutt des letzten NSU-Verstecks in Zwickau fand sich eine Liste mit insgesamt zehn Adressen rechtsextremer Organisationen und Zeitschriften, die offenbar ebenfalls Schreiben erhalten sollten. Darunter das "Deutsche Rechtsbüro", die "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene" und die Publikationen "Foiersturm", "Nation & Europa", "Nordische Zeitung" und "Landser".

"Keiner wusste, wer das war"

In einer konzertierten Aktion ließ die Bundesanwaltschaft am 4. September die Wohnungen mehrerer potentieller Adressaten durchsuchen - weitere Exemplare des NSU-Briefs fanden sich jedoch nicht. Gleichwohl konnte sich Torsten W., einst Herausgeber der rechtsextremen Zeitschrift "Fahnenträger", gut an den Erhalt des Schreibens erinnern: In dem Umschlag hätten sich 500 Euro in bar befunden, "im Freundeskreis" habe man sich "Gedanken darüber gemacht, wer so viel Geld spenden" könne. Vom NSU aber hätten weder W. noch die Kameraden, denen er den Brief gezeigt habe, je etwas gehört. "Keiner wusste, wer das war."

Der Versand des Geldes, das möglicherweise aus Raubüberfällen des NSU stammte, war den Verfassungsschutzbehörden seinerzeit offenbar verborgen geblieben - obwohl mehrere Empfänger damals unter Beobachtung standen.

Die "Schreiben des NSU", so das Fazit des BKA, dienten "offensichtlich der Anwerbung und Unterstützung von Kameraden", die aus Sicht der Verfasser "geeignet erscheinen, den Kampf des NSU in geeigneter Form zu unterstützen oder in gleicher Weise aus dem Untergrund heraus zu ergänzen oder fortzuführen".