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Streit um Südstaatenflagge "Stolz auf den eigenen Hass"

Die Konföderiertenflagge der US-Südstaaten steht nicht zuletzt für nostalgische Erinnerung an die Sklaverei - der Neunfachmörder von Charleston schätzt sie. Nun sprechen sich selbst prominente Republikaner dafür aus, sie einzumotten.

In den Südstaaten der USA ist sie bis heute allgegenwärtig, jetzt aber soll sie verschwinden. Zumindest, wenn es nach dem Präsidenten der USA, seinem ehemaligen Herausforderer und dem wohl aussichtsreichsten Kandidaten der Republikaner für das Präsidentenamt geht.

Spätestens nachdem klar geworden ist, dass der Neunfachmörder von Charleston, Dylann R., die Konföderiertenflagge als sein ganz persönliches Symbol der Sklaverei-Nostalgie betrachtet. Bilder, die der Täter selbst ins Netz gestellt hat, zeigen ihn, wie er zunächst eine US-Flagge verbrennt und anschließend die Konföderiertenflagge mit den gekreuzten Sternenbändern in die Höhe hält.

Am Samstag äußerte sich als erstes Mitt Romney, einst Gegenkandidat von Barack Obama im Präsidentschaftswahlkampf: "Nehmt die Konföderiertenflagge am Kapitol in South Carolina ab", twitterte Romney, "für viele ist sie ein Symbol rassistischen Hasses. Entfernt sie jetzt, um die Opfer von Charleston zu ehren."


Einige Stunden später stimmte Jeb Bush, Gouverneur von Florida und einer derjenigen, die sich um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner bewerben, mit ein.

"Mein Blick auf das Thema der Konföderiertenflagge", twitterte Bush und verlinkte einen Text auf Facebook , in dem er sich seinerseits klar für die Entfernung der Flagge ausspricht: "In Florida haben wir gehandelt und die Flagge von staatlichem Gelände in ein Museum verlegt, wo sie hingehört." Er hoffe, dass die politische Führung South Carolinas nach einer gründlichen Diskussion "das Richtige tun" werde.

US-Präsident Obama nahm den Ball am Sonntagmorgen auf und griff den Tweet seines ehemaligen Rivalen Mitt Romney auf.

"Guter Punkt, Mitt", twitterte Obama.

Der Republikanische Senator Doug Brannon hatte zuvor bereits erklärt, er werde ein entsprechendes Gesetz in den Senat von South Carolina einbringen. Der Pfarrer der Emanuel African Methodist Episcopal Church, Clementa Pinckney, eines von R.s Opfern, war selbst Mitglied der Volksvertretung des Staates gewesen.

"Stolz auf den eigenen Hass"

Brannon sagte: "Als mein Freund nur dafür umgebracht wurde, ein schwarzer Mann zu sein, habe ich entschieden, dass es Zeit ist, dieses Ding vom Gelände des Kapitols zu entfernen." Die Flagge sei "nicht nur ein Symbol des Hasses, sie ist ein Symbol dafür, stolz auf den eigenen Hass zu sein".

Derzeit kann die Flagge, die auf einem Denkmal vor dem Kapitol in Columbia, South Carolina, steht, nicht einmal wie die US-Flagge gleich daneben zu Ehren der Opfer auf Halbmast gesenkt werden - denn dazu wäre nach dem Gesetz von South Carolina die Zustimmung der gesamten Legislative des Staates notwendig.

Ein weiterer potenzieller Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner, Lindsey Graham, sprach sich für eine Debatte aus - wollte sich jedoch im "Guardian" nicht positionieren. Auch die voraussichtliche demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton äußerte sich aktuell nicht direkt zum Thema Konföderiertenflagge, sondern ging stattdessen in einer Rede  auf den Rassismus ein, den "Millionen people of color in ihrem Alltag noch immer erleben".

Am Samstagabend hatten sich vor dem Kapitol in Columbia Demonstranten versammelt, die ihrerseits gegen die Flagge protestierten. AP zitiert die 95-jährige Sarah Leverette, die an der Kundgebung teilnahm: "Wir müssen diese Flagge auf ihren Platz als Teil der Geschichte verweisen."

cis