Schüsse in Oregon Obama fordert strengere Waffengesetze

"Wir sind abgestumpft": Mit deutlichen Worten hat US-Präsident Obama auf die Schüsse am Umpqua College reagiert, bei der mindestens zehn Menschen getötet wurden. Der Kongress müsse endlich das Waffengesetz ändern. Doch die Chancen stehen schlecht.


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Nach den Schüssen am Umpqua Community College mit mindestens zehn Toten hat sich US-Präsident Barack Obama an die Öffentlichkeit gewandt - und erneut strengere Waffengesetze gefordert. Er werde dies auch in Zukunft jedes Mal fordern, wenn so eine Tat geschehe, sagte Obama. Er könne eine Änderung nicht alleine bewirken.

Die USA seien angesichts der zahlreichen Schießereien im Land "abgestumpft". Es sei zu einer Art Routine geworden, sagte Obama: "Die Berichte sind Routine. Meine Reaktion, hier oben auf dem Podium, wird zur Routine." Es reiche nicht, der Opfer zu gedenken und sie in seine Gebete einzuschließen, sagte Obama. Die Menschen sollten vielmehr wütend sein - und alles dafür tun, eine erneute Schießerei zu verhindern.

"Wir müssen unsere Gesetze ändern", sagte Obama. Dafür brauche er jedoch die Unterstützung der Gesetzgeber in den einzelnen Bundesstaaten und die des Kongresses. Dort haben die Republikaner allerdings die Mehrheit, und die haben Obamas Anläufe, strengere Waffengesetze durchzusetzen, immer wieder blockiert.

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Oregon: Die Bluttat von Roseburg
Obamas Äußerungen kommen nur wenige Stunden nach den Schüsen auf dem Gelände der Umpqua-Hochschule in Roseburg im US-Bundesstaat Oregon. Ein 20 Jahre alter Mann hatte dort am Morgen das Feuer eröffnet. Bisherigen Erkenntnissen zufolge wurden mindestens zehn Menschen getötet und sieben weitere teils schwer verletzt. Zuvor war von 13 Opfern die Rede gewesen. Der Täter starb beim Schusswechsel mit der Polizei.

Obama nannte Schützen wie ihn "krank". Die USA seien das "einzige fortschrittliche Land der Erde, das diese Massen-Schießereien alle paar Monate erlebt", sagte der US-Präsident und erinnerte an Fälle in Columbine und Aurora (Colorado), Newtown (Connecticut) und Charleston (South Carolina).

Im Jahr 2013 hatte Obama schärfere Waffengesetze zu einem seiner innenpolitischen Hauptanliegen gemacht, nachdem Ende 2012 an einer Grundschule in Newtown 20 Kinder getötet worden waren. Allerdings scheiterte er am Kongress sowie am Einfluss der mächtigen US-Waffenlobby. Dies sei das Thema, das ihn seit seinem Amtsantritt 2009 am meisten frustriert habe, sagte Obama kürzlich der britischen BBC.

Die US-Verfassung garantiert jedem Bürger das Recht, eine Waffe zu tragen. Dies wird von Millionen Waffenbesitzern als Zeichen der Freiheit verteidigt.

"Das zu sagen, ist furchtbar"

Die USA würden zwar Abermillionen Dollar ausgeben, um terroristische Attacken auf US-Territorium zu verhindern, sagte Obama nun im Weißen Haus. Doch der Kongress sträube sich schon dagegen, wenigstens Daten darüber zu erheben, wie viele Menschen durch Schusswaffen ums Leben kommen.

Jemandem, der andere Menschen verletzen wolle, dürfe es nicht leicht gemacht werden, an eine Waffe zu kommen, sagte Obama. Es gebe zahlreiche Waffenbesitzer im Land, die verantwortungsbewusst seien und seinen Kurs unterstützen würden.

"Ich hoffe und bete, dass ich während meiner Amtszeit nicht noch einmal Familien unter diesen Umständen mein Beileid aussprechen muss", sagte Obama. "Aber basierend auf meinen Erfahrungen als Präsident kann ich das nicht garantieren. Und das zu sagen, ist furchtbar."


Zusammengefasst: Bei Schüssen am Umpqua-College im US-Bundesstaat Oregon sind mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen, der 20-jährige Schütze ist tot. US-Präsident Barack Obama hat daraufhin erneut strengere Waffengesetze gefordert. Ob er damit Erfolg hat, ist allerdings fraglich: Bereits in der Vergangenheit scheiterte er mit diesem Vorhaben vor allem am Kongress und der mächtigen Waffenlobby.

aar/dpa/Reuters/AP

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