Obduktionsergebnis Kevin quälte sich mit offenem Oberschenkelbruch

Zum Fall des kleinen Kevin, der vor vier Wochen tot in einem Kühlschrank in Bremen entdeckt wurde, sind neue Details bekanntgeworden. Laut Obduktion ist der Zweijährige eines gewaltsamen Todes gestorben. In den letzten Tagen seines Lebens habe der Junge einen offenen Oberschenkelbruch erlitten.


Bremen - Kevin sei mit großer Wahrscheinlichkeit an äußeren Gewalteinwirkungen gestorben, sagte Senatssprecher Klaus Schloesser mit Bezug auf die Staatsanwaltschaft. Es gebe inzwischen ein entsprechendes Gutachten, sagte er. Demnach könnten einige der festgestellten Knochenbrüche auch erst nach dem Tod eingetreten sein, als die Leiche in den Kühlschrank gezwängt worden sei. Von der Staatsanwaltschaft gibt es bislang keine Bestätigung.

Schloesser sagte, im Detail sei die Feststellung der Todesursache offenbar wegen des Verwesungszustands schwierig. Kevin habe sich aber in seinen letzten Lebenstagen mit einem offenen Oberschenkelbruch gequält. Es sei medizinisch denkbar, dass er in Folge dieser Verletzung gestorben ist. Ob der Junge wirklich daran gestorben ist, stehe aber noch nicht endgültig fest. Der Bruch gehe aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auf äußere Gewalteinwirkungen zurück.

Das Kleinkind war zunächst in Bremen gerichtsmedizinisch untersucht worden. Als dies ergebnislos blieb, wurde die Leiche der Gerichtsmedizin in Hamburg für weitere Untersuchungen übergeben. Zu den Schwierigkeiten der Obduktion erklärte die Staatsanwaltschaft damals ebenfalls, dies sei unter anderem auf die fortgeschrittene Verwesung zurückzuführen.

Kevin war am 10. Oktober tot in der elterlichen Wohnung entdeckt worden. Sein drogensüchtiger Ziehvater wurde unter Totschlagsverdacht festgenommen. Er sitzt laut Schloesser inzwischen regulär in Haft und verbüßt frühere Strafen. Eine DNA-Analyse ergab, dass er nicht der leibliche Vater des kleinen Jungen ist. Ermittlungen gegen ihn wegen des Todes von Kevins Mutter im Herbst 2005 wurden inzwischen eingestellt.

Ein Bericht der Bremer Justizbehörde hatte dem Jugendamt gravierende Fehler in dem Fall nachgewiesen, ohne die der Junge vermutlich noch leben könnte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Verletzung der Fürsorgepflicht gegen zwei Behördenmitarbeiter.

ffr/AP/AFP



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