Vier Tote in Behinderteneinrichtung Aufsicht prüfte Potsdamer Heim am Tag vor der Gewalttat

Das Potsdamer Wohnheim, in dem vier Menschen getötet wurden, hat die Aufsicht nur einen Tag vor der Tat kontrolliert – auch zu Gewalt in der Pflege. Laut Behörde war der Träger »fachgerecht und angemessen aufgestellt«.
Trauer vor dem Oberlinhaus in Potsdam: Eine Pflegekraft steht unter Verdacht, vier Heimbewohner getötet zu haben

Trauer vor dem Oberlinhaus in Potsdam: Eine Pflegekraft steht unter Verdacht, vier Heimbewohner getötet zu haben

Foto: Christophe Gateau / dpa

Eine 51 Jahre alte Pflegemitarbeiterin des Oberlinhauses wird verdächtigt, Bewohner einer Potsdamer Behinderteneinrichtung getötet zu haben. Nur einen Tag vor der Gewalttat ist das Heim nach Angaben der Brandenburger Landesregierung geprüft worden.

»Die Aufsicht für unterstützende Wohnformen prüft regelmäßig auch im Thusnelda-von-Saldern-Haus die Pflegesituation«, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Gabriel Hesse, der Nachrichtenagentur dpa mit. »Dabei wurde von ihr aus auch das Thema ›Umgang mit besonderen Belastungen während der Coronapandemie, Gewalt in der Pflege‹ angesprochen. Ihr wurden keine Vorfälle berichtet.«

Nach ihrer Einschätzung sei der Träger auch in Bezug auf die Begleitung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diesbezüglich »fachgerecht und angemessen aufgestellt« gewesen.

Jährliche Prüfung

Die langjährige Pflegemitarbeiterin der Wohnstätte für Körper- und Mehrfachbehinderungen steht nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft im Verdacht, insgesamt vier Bewohner zwischen 31 und 56 Jahren gewaltsam getötet zu haben. Eine weitere Bewohnerin des Thusnelda-von-Saldern-Hauses wurde schwer verletzt.

Eine Haftrichterin hat die Tatverdächtige vorläufig in eine psychiatrische Klinik in Brandenburg/Havel eingewiesen. Sie soll auf ihre Schuldfähigkeit hin begutachtet werden. Nach Angaben der diakonischen Einrichtung Oberlinhaus, zu der das Wohnheim gehört, war die Frau bisher nicht psychisch auffällig geworden. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor Haftbefehl wegen Totschlags beantragt.

Pflegeeinrichtungen werden von der Aufsicht für unterstützende Wohnformen (AuW, früher Heimaufsicht) laut Gesundheitsministerium grundsätzlich einmal im Jahr im Rahmen einer Regelüberwachung aufgesucht. »Die AuW hat erst am 27. April 2021 eine Regelprüfung in der Pflegeabteilung des Thusnelda-von-Saldern-Hauses durchgeführt«, erklärte der Sprecher.

»Das fürchterliche Gewaltverbrechen ist für alle ein sehr großer Schock. Ich warne aber vor voreiligen Schlüssen bei der Frage, was der Grund für diese unvorstellbare Tat war.« Die Umstände, die zur Tat geführt hätten, müssten sorgfältig aufgeklärt werden. »Das Oberlinhaus hat einen sehr guten Ruf.«

Die Verletzungen der Opfer gehen nach Angaben der Ermittler auf schwere äußere Gewalteinwirkung zurück. Die Todesopfer wiesen schwere Schnittverletzungen an der Kehle auf. Zum Tathergang hat die Staatsanwaltschaft bisher aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben gemacht.

apr/dpa
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