Österreich "Kofferraumvergewaltiger" legt Geständnis ab

Der sogenannte "Kofferraumvergewaltiger" von Regensburg und Chemnitz hat laut Polizei ein umfassendes Geständnis abgelegt. Bei der Vernehmung sei er in Tränen ausgebrochen. Ihm steht eine Anklage wegen Mordversuchs und Vergewaltigung bevor.


Regensburg - Der 25-jährige Sachse konnte nun wegen seines rasanten Fahrstils überführt werden: Er wurde auf dem Weg von Regensburg nach Linz wegen überhöhter Geschwindigkeit geblitzt, wie die zuständigen Ermittlungsbehörden aus Deutschland und Österreich am Freitag in Regensburg mitteilten.

Seinem letzten Vergewaltigungsopfer, einem 16-jährigen Mädchen aus Regensburg, erzählte er, dass er geblitzt worden war, und dieses wiederum informierte nach seiner Freilassung die Polizei darüber, wie Oberstaatsanwalt Edgar Zach sagte. Über das Kennzeichen und zusammen mit der von seinen Opfern gelieferten Personenbeschreibung konnte der Täter identifiziert werden. Die Ermittler lobten die gute und schnelle Zusammenarbeit der Kollegen aus Deutschland und Österreich.

Der Mann, der sich am Mittwochabend am Berliner Hauptbahnhof gestellt hatte, hat laut Polizei umfassende Aussagen gemacht, die sich mit den Angaben seiner Opfer decken. Er habe in den Vernehmungen "absolute Reue gezeigt" und sei in Tränen ausgebrochen, so Gunter Titze von der Chemnitzer Polizei. Das Verfahren gegen ihn unter anderem wegen Mordversuchs und Vergewaltigung werde in Leipzig eröffnet, die Anklageerhebung werde aber einige Monate dauern.

Weihnachtsurlaub in Sachsen

Der Täter war den Angaben zufolge als junger Erwachsener abhängig von Marihuana und machte eine Entziehungskur, bevor er aus beruflichen Gründen nach Österreich zog - nach Biberbach im im niederösterreichischen Bezirk Amstetten. Zum Weihnachtsurlaub war er zurück in seine Heimat nach Sachsen gefahren.

Dort zwang er am 20. Dezember sein erstes Opfer, eine 18-Jährige, in den Kofferraum seines Autos. Nachdem er sie vergewaltigt hatte, brachte er sie nördlich von Chemnitz zu einer zehn Meter hohen alten Brücke über den Fluss Mulde und zwang sie hinunterzuspringen.

Vier Tage später, am 24. Dezember gegen 1 Uhr, versuchte er erneut in Chemnitz, eine junge Frau in den Kofferraum seines Autos zu zwingen. Dies misslang ihm jedoch wegen der starken Gegenwehr des Opfers, wie die Polizei jetzt erklärte.

Um 6.37 Uhr geblitzt

Nur vier Stunden darauf, gegen 5 Uhr, inzwischen im rund 300 Kilometer entfernten Regensburg, zwang er die 16-Jährige in den Kofferraum seines Autos. In nur gut eineinhalb Stunden raste er mit ihr in das rund 225 Kilometer entfernte Linz und wurde dort um 6.37 Uhr geblitzt.

Zunächst habe er in seine Wohnung fahren wollen, entschied sich dann aber, die junge Frau in der Umgebung zu vergewaltigen, was er gegen 8 Uhr tat. Dann fuhr er das junge Mädchen an den Bahnhof von Linz und gab ihr 50 Euro für die Heimfahrt nach Regensburg.

Er selbst fuhr später dann offenbar auch mit dem Zug ebenfalls nach Regensburg. Sein Auto wurde in einem Parkhaus im Amstetten sichergestellt. Zunächst hatte er nach eigenen Angaben vorgehabt, mit dem Zug über München und Stuttgart nach Paris zu fahren. Dann sei er aber über Köln nach Berlin gefahren, wo er sich zunächst einige Tage aufgehalten hatte, bis er sich selbst stellte.

Anm. d. Red: In einer früheren Version dieses Artikels stand aufgrund einer fehlerhaften Agenturmeldung, der mutmaßliche Vergewaltiger habe im Amstettener Ortsteil Biberach gewohnt. Tatsächlich wohnte er in Biberbach im Bezirk Amstetten. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

jdl/AP



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