Kommissionsbericht Lehrer in Österreich missbrauchte mindestens 40 Schüler

Er verabreichte ihnen K.-o.-Tropfen und filmte sie: Ein Lehrer aus Wien missbrauchte laut einer Untersuchung Dutzende Kinder. Es ist von einem »Systemversagen« die Rede.
Polizei in Wien (Symbolbild)

Polizei in Wien (Symbolbild)

Foto: Tobias Steinmaurer / IMAGO

Ein Lehrer in Wien hat nach einem Bericht einer Untersuchungskommission Dutzende Kinder missbraucht. Dabei habe er teilweise K.-o.-Tropfen eingesetzt. Es sei die Existenz von 40 Opfern belegt, heißt es in dem Bericht. 

25 Betroffene sind demnach bekannt, 15 weitere – bisher nicht identifizierte – sind auf Foto- und Videomaterial zu sehen, das bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung des Lehrers sichergestellt wurde. Die Bildungsdirektion Wien hatte die Untersuchungskommission 2021 eingesetzt.

Die Taten haben sich laut Behörden über einen Zeitraum von wohl 15 Jahren abgespielt. 2019 beging der Verdächtige Suizid, nachdem gegen ihn ermittelt wurde. Nach Aussage aller Befragten sei der Pädagoge der beliebteste Lehrer an der Schule gewesen, heißt es in dem Bericht. Er habe offensichtlich seine gesamte Energie eingesetzt, »um sich unersetzbar zu machen und in weiterer Folge unbemerkt die ihm anvertrauten Schüler missbrauchen zu können«.

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hier finden Sie – auch anonyme – Hilfsangebote in vermeintlich ausweglosen Lebenslagen. Per Telefon, Chat, E-Mail oder im persönlichen Gespräch.

Da der Mann auch an einer benachbarten Schule unterrichtete, würden nun Briefe an deren ehemalige Schülerinnen und Schüler geschickt, um von etwaigen Missbrauchshandlungen zu erfahren und Hilfe anzubieten, hieß es.

»Viele, die nicht intensiv miteinander geredet haben«

Die Kommission kritisiert in ihrem Bericht auch ein »Systemversagen« auf »allen beteiligten Ebenen«: »Es sind in Summe zu viele Fehler passiert«, sagte Bildungsdirektor Heinrich Himmer laut ORF . Der Informationsaustausch zu Übergriffen zwischen den einzelnen Behörden müsste »klarer und auf einer gesetzlichen Grundlage« verlaufen. Im Fall des Lehrers gebe es »viele, die nicht intensiv miteinander geredet haben«.

Bei der Kommission handelt es sich um keine Ermittlungsbehörde. Sie besteht unter anderem aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bildungsdirektion sowie der Kinder- und Jugendhilfe.

bbr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.