US-Militärbasis Fort Hood Offiziere sollen Prostitutionsring aufgebaut haben

Auf dem US-Stützpunkt Fort Hood sollen weibliche Gefreite von Vorgesetzten zur Prostitution gezwungen worden sein. Der mutmaßliche Strippenzieher kam bisher davon. Bittere Ironie: Der Oberfeldwebel war im Bataillon zuständig für die Prävention von Sexualdelikten.

Stützpunkt Fort Hood: Frauen für sexuelle Dienstleistungen "rekrutiert"
DPA

Stützpunkt Fort Hood: Frauen für sexuelle Dienstleistungen "rekrutiert"


Killeen - Das "Quinta Inn" ist ein Zwei-Sterne-Hotel in Killeen, nordwestlich von Houston. Mit "leckeren texanischen Buttermilchwaffeln" sowie "bequemen Betten und flauschigen Kissen", wie es Besucher formulieren. Die Unterkunft liegt nur knapp eine Meile vom Haupteingang der Militärbasis Fort Hood entfernt. Hier soll eine weibliche Gefreite für hundert Dollar mit einem Vorgesetzten Sex gehabt haben - und das keineswegs freiwillig, sondern unter Druck, als Opfer eines armeeinternen Prostitutionsrings.

Der beschuldigte und inzwischen verurteilte Hauptfeldwebel Brad G., 37, sieht das anders. In einem Verfahren vor dem Militärgericht erklärte er, niemals Geschlechtsverkehr mit der Gefreiten gehabt zu haben. "Er war in Versuchung, aber es ist kein Verbrechen, in Versuchung zu sein", so die Argumentation seines Anwalts. "Am Ende des Tages hat G. sich entschieden, das Richtige zu tun und keinen Sex mit der jungen Lady zu haben."

Am Dienstag sprach die Jury G. schuldig, den Aufbau eines Prostituiertenrings geplant und zum Ehebruch angestiftet zu haben - letzteres, weil sowohl er als auch das Opfer verheiratet sind. G. dient seit 17 Jahren bei der Armee, war unter anderem im Irak und in Afghanistan. Das Gericht degradierte ihn um einen Rang und sprach eine Verwarnung aus. Der 37-Jährige darf in der Armee bleiben.

Das Urteil fiel damit extrem mild aus. Das in solchen Fällen vorgesehene Strafmaß liegt bei bis zu einem Jahr Arrest, auch eine Degradierung zum Gefreiten oder eine Entlassung wegen Fehlverhaltens wären möglich gewesen.

In dem Prozess hatten mehrere junge Frauen ausgesagt, dass sie zur Prostitution gezwungen worden seien - von einem Vorgesetzten, der ausgerechnet für die Prävention von Sexualdelikten zuständig war. Oberfeldwebel Gregory M. habe sie für sexuelle Dienstleistungen "rekrutiert". Eine Gefreite berichtete dem "Austin American-Statesman" zufolge von sexuellen Übergriffen durch M. während eines "Aufnahmegespräches" für den Prostituiertenring.

Der mutmaßliche Strippenzieher kam bisher ohne ein Verfahren davon - auch, weil der verurteilte Brad G. nicht gegen ihn aussagen wollte. Gregory M. wurde lediglich aus seinem Job als Präventionsbeauftragter entlassen.

Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs in den US-Streitkräften gibt es immer wieder. So soll die Zahl der Beschwerden dem US-Verteidigungsministerium zufolge allein in den ersten neun Monaten des Jahres um mehr als 45 Prozent auf 3553 gestiegen sein. Im US-Kongress wird derzeit ein Gesetzentwurf diskutiert, der den Einfluss von Militärkommandeuren auf die Einstufung solcher Verfahren mindern soll.

Fort Hood liegt im Zentrum des US-Bundesstaates Texas und ist eine der größten Militärbasen des Landes. Der Stützpunkt machte schon einmal Schlagzeilen: Am 5. November 2009 kam es hier zu einem Amoklauf. Der eigentlich für einen Afghanistaneinsatz vorgesehene Militärpsychologe Nidal Malik Hasan erschoss unter "Allah ist groß"-Rufen 13 Menschen auf einer Sanitätsstation. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt, unter anderem der Angreifer, der im August 2013 zum Tode verurteilt wurde.

ala



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