Gegen Kaution Wegen Mordes angeklagter US-Polizist kommt vorerst frei

Der US-Polizist Ray T. erschoss bei einer Verkehrskontrolle einen schwarzen Autofahrer. In seiner ersten Gerichtsanhörung hat er den Mordvorwurf zurückgewiesen. Bis zum nächsten Termin vor der Richterin bleibt der Mann auf freiem Fuß.
Angeklagter Polizist T.: Er hinterlegte 100.000 US-Dollar

Angeklagter Polizist T.: Er hinterlegte 100.000 US-Dollar

Foto: AP/dpa

Am 19. Juli schoss der weiße Polizist Ray T. dem Afroamerikaner Sam DuBose in den Kopf. Der 25-jährige Beamte hatte ausgesagt, dass der Afroamerikaner bei der Verkehrskontrolle davongefahren sei und ihn mitgerissen habe. Nach Auswertung der Aufnahmen einer Minikamera, die T. am Körper trug, kam die Staatsanwaltschaft aber zu dem Schluss, dass zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden habe. Der Wagen sei lediglich losgerollt.

Die Staatsanwaltschaft von Hamilton County im Bundesstaat Ohio ist überzeugt, dass T. den Schwarzen vorsätzlich tötete. Sie klagte den Polizisten wegen Mordes an, ihm droht eine lebenslange Haftstrafe.

Bei seinem ersten Gerichtstermin bekannte sich der Cop nicht schuldig. Sein Anwalt Stewart Mathews sagte, dass es in diesem Fall zwei Seiten gebe und das Video der Bodycam unterschiedlich interpretiert werden könnte. Sein Mandant stehe noch immer unter Schock.

Richterin Megan Shanahan setzte die Kaution für T. auf eine Million US-Dollar fest. Später hinterlegte er zehn Prozent der Summe. Deshalb kam der Angeklagte, der den Gerichtssaal in Gefängniskleidung und Handschellen betreten hatte, auf freien Fuß. Der nächste Gerichtstermin wurde für den 19. August angesetzt.

Video: Anklage gegen Polizist Ray T.

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Zwei Kollegen des Beamten sind inzwischen suspendiert worden. Die beiden Polizeibeamten des Universitätscampus von Cincinnati erhielten weiter ihr Gehalt, sollten aber so lange nicht zum Dienst erscheinen, bis die Ergebnisse einer internen Ermittlung gegen sie vorlägen, sagte eine Sprecherin der Universität.

Die beiden Kollegen waren während des Vorfalls vor Ort. Einer von ihnen hatte T.s falsche Angaben bestätigt, dass dieser von DuBoses Wagen mitgeschleift worden sei.

Staatsanwalt Joseph Deters hob hervor, dass T. es bei der Kontrolle nicht mit jemandem zu tun gehabt habe, der wegen Mordes gesucht werde. Das Opfer sei lediglich angehalten worden, weil bei dem Auto das Nummernschild fehlte. Deters forderte, dass die Universität von Cincinnati die Aufsicht über die Campuspolizei an die städtischen Behörden abgibt.

Nach Informationen von "BuzzFeed" wurden seit 1997 auf dem Campus von Cincinnati drei weitere schwarze Männer von Polizisten getötet. Zwei von ihnen seien psychisch krank gewesen, der dritte sei mit einer Elektroschockpistole getötet worden. Die Hochschule zahlte dem Bericht zufolge in Zivilverfahren knapp drei Millionen Dollar an Schmerzensgeld, strafrechtliche Folgen hatten die Vorfälle jedoch nicht.

In den vergangenen Monaten hatte eine Reihe von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA zum Teil gewalttätige Proteste und Debatten über Rassismus bei der Polizei ausgelöst - zuletzt hatte das Schicksal von Sandra Bland für Aufsehen gesorgt. Die Afroamerikanerin war in Texas gestoppt worden, weil sie nicht geblinkt hatte. Sie geriet in Streit mit dem Polizisten und wurde festgenommen. Drei Tage später fanden Gefängnisbeamte sie tot in ihrer Zelle auf.

syd/AFP/AP/Reuters
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