Mordprozess gegen Krankenpfleger "Es tut mir wirklich leid"

Mindestens 30 Patienten tötete Krankenpfleger Niels H. mit der Überdosis eines Herzmittels. Im Prozess vor dem Landgericht Oldenburg hat er sich nun erstmals zu Wort gemeldet.

Mutmaßlicher Massenmörder: Ex-Krankenpfleger Niels H.
DPA

Mutmaßlicher Massenmörder: Ex-Krankenpfleger Niels H.


Oldenburg - Der ehemalige Krankenpfleger Niels H., der wegen mehrfachen Mordes angeklagt ist, hat im Prozess angegeben, seine Taten zu bedauern. Der 38-Jährige schilderte vor dem Landgericht Oldenburg, er habe Patienten meist ohne viel Bedacht eine Überdosis eines Herzmittels gespritzt. "Meistens war es so, dass die Entscheidung, das zu tun, relativ spontan war."

Der Mann ist wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs an Patienten des Klinikums Delmenhorst angeklagt. Im Prozess hat er allerdings 90 Taten gestanden. Bis zu 30 Opfer sollen gestorben sein.

In seiner mit Spannung erwarteten ersten persönlichen Aussage vor den Richtern sagte der Ex-Krankenpfleger weiter: "Es tut mir wirklich leid." Es sei ihm klar, dass seine Taten nicht zu entschuldigen seien. Er hoffe, dass seine Verurteilung den Angehörigen helfe, das Leid aufzuarbeiten. Bei seiner Aussage wirkte Niels H. sachlich und blickte zum ersten Mal die Angehörigen der Opfer an. Am Donnerstag sollen noch Staatsanwaltschaft und Nebenklage ihre Plädoyers halten.

Niels H. sagt, er wollte auffliegen

Eine Sonderkommission der Polizei untersucht zurzeit alle Todesfälle während der Dienstzeit des Mannes am Klinikum Delmenhorst und seinen anderen Arbeitsstätten in Oldenburg, Wilhelmshaven sowie bei den Rettungssanitätern. Der 38-Jährige beteuerte am Donnerstag erneut, außerhalb von Delmenhorst keinem Patienten geschadet zu haben. Er sagte, zum Schluss habe er manchmal schon gehofft, erwischt zu werden.

Über seine Beweggründe sagte er vor Gericht: "Es war eine Anspannung da und eine Erwartungshaltung, was passiert gleich." Nach einer erfolgreichen Wiederbelebung habe er sich gut gefühlt. Wenn der Patient gestorben sei, habe er sich niedergeschlagen gefühlt. Kurzfristig habe er dann das Gefühl gehabt, er müsse aufhören. Das Gefühl habe aber nicht lange angehalten.

Ein Gutachter hatte vor Gericht gesagt, er halte H. für voll schuldfähig. Während des Verfahrens waren auch Versäumnisse der Ermittlungsbehörden offenbar geworden.

sms/dpa



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