Friesland Kochsalzlösung statt Impfstoff – Krankenschwester wegen Körperverletzung angeklagt

Eine Krankenschwester soll Spritzen mit wirkungsloser Flüssigkeit befüllt haben – laut Staatsanwaltschaft, weil sie den Coronamaßnahmen kritisch gegenüberstand. Nun ist sie wegen Körperverletzung angeklagt worden.
Impfzentrum im Landkreis Friesland (Archivbild): Wirkungslose Spritzen verabreicht

Impfzentrum im Landkreis Friesland (Archivbild): Wirkungslose Spritzen verabreicht

Foto: Mohssen Assanimoghaddam / dpa

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat Anklage gegen eine frühere Angestellte des Impfzentrums in Schortens (Landkreis Friesland) erhoben, die Spritzen mit Kochsalzlösung statt Impfstoff aufgezogen haben soll. Der Frau wird Körperverletzung in 15 Fällen vorgeworfen, teilte die Behörde mit .

Laut Anklage soll Antje T. im April vergangenen Jahres 15 Spritzen entweder ausschließlich mit Kochsalzlösung aufgezogen oder den Impfstoff so stark mit Kochsalzlösung verdünnt haben, dass dieser nicht mehr wirkte.

Unwissentlich Spritzen ohne wirksamen Impfstoff erhalten

Den Ermittlungen zufolge wurden die Spritzen danach von anderen Beschäftigten verwendet, die nichts von dem Handeln der Beschuldigten wussten. 15 Menschen sollen Spritzen ohne wirksamen Impfstoff bekommen haben. Hintergrund für die mutmaßlichen Taten der Frau war nach Angaben der Staatsanwaltschaft, dass sie den Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie kritisch gegenüberstand.

Der Vorwurf der Körperverletzung ergibt sich demnach aus dem Umstand, dass die 15 Betroffenen dem Einstich mit einer Injektionsnadel für eine Corona-Schutzimpfung zugestimmt hatten. Eine Einwilligung für eine Impfung mit einem nicht wirksamen Stoff gab es aber nicht. Da die Beschuldigte die Spritzen nicht selbst injizierte, wird ihr Körperverletzung in mittelbarer Täterschaft vorgeworfen. Über den Fortgang des Strafverfahrens entscheidet das Landgericht Oldenburg.

Verschwörungsideologien verbreitet

T. selbst hatte angegeben, dass ihr am 21. April beim Anmischen ein Fläschchen mit Impfstoff heruntergefallen sei, was sie vertuschen wollte. Sie hatte über ihren Anwalt außerdem mitteilen lassen, dass es sich um einen einmaligen Vorfall gehandelt habe.

SPIEGEL-Recherchen  zeigten im Sommer 2021 jedoch, dass T. auf WhatsApp Verschwörungsideologien teilte. So verbreitete sie die Falschinformation, dass durch die Impfung die deutsche Bevölkerung dezimiert werden solle.

Außerdem soll der Betreiber des Impfzentrums, das Deutsche Rote Kreuz (DRK), von einer Mitarbeiterin vor T. gewarnt worden sein und diese Warnungen ignoriert haben. Der örtliche DRK-Geschäftsführer war nach den Enthüllungen beurlaubt worden. Ende Oktober berichtete der SPIEGEL, dass der Frau, die vor T. gewarnt hatte, ein mäßiges Arbeitszeugnis ausgestellt worden war. Unter dem Zeugnis stand der Name desselben DRK-Geschäftsführers, unterschrieben hatte es seine Stellvertreterin.

Um die möglicherweise fehlenden Impfungen nachzuholen, waren Tausende Betroffene im vergangenen Jahr vorsichtshalber noch einmal geimpft worden.

bbr/dpa