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03. Juni 2019, 02:44 Uhr

Urteil nach erniedrigendem Video

YouTuber für fünf Jahre von Plattform verbannt

Ein Jugendlicher füllt Kekse mit Zahnpasta, gibt sie einem Obdachlosen, filmt dessen Reaktion - und veröffentlicht das Video online. Dafür musste er sich nun vor einem Gericht in Spanien verantworten.

Es war ein erniedrigendes Video, das vielfach für Aufsehen und Kritik am Urheber gesorgt hatte: Ein YouTuber namens ReSet filmte sich im Jahr 2017 dabei, wie er einem Obdachlosen in Barcelona ein Packung mit Oreo-Keksen und 20 Euro gibt. Aus den Keksen hatte er zuvor die Creme-Schicht entfernt und durch Zahnpasta ersetzt. Der obdachlose Mann nahm die Kekse an - und musste sich übergeben.

Das Video von dem Vorfall lud der damals 19-jährige ReSet - der mit bürgerlichem Namen Kanghua Ren heißt - auf seinem YouTube-Kanal hoch. Dort folgten ihm 1,2 Millionen Menschen.

Nun verurteilte eine Richterin in Barcelona Ren zu einer 15-monatigen Haftstrafe, wie spanische Medien berichteten, darunter "El País". Es gilt allerdings als unwahrscheinlich, dass er tatsächlich ins Gefängnis muss. Medienberichten zufolge ist es in Spanien in vielen Fällen üblich, dass Menschen, die zum ersten Mal gegen das Gesetz verstoßen, eine Haftstrafe von unter zwei Jahren für gewaltfreie Verbrechen nicht antreten müssen.

Ren wurde laut "El País" für schuldig befunden, die moralische Integrität des Obdachlosen verletzt zu haben. Er werde zudem für die kommenden fünf Jahren von YouTube verbannt und müsse seinem Opfer 20.000 Euro zahlen.

"Grausames Verhalten"

Die Richterin sah es den Berichten zufolge als erwiesen an, dass Ren mit dem Video etwa 2000 Euro an Werbeeinnahmen erzielte. Es habe sich zudem nicht um einen Einzelfall gehandelt haben: Auch in anderen Videos habe Ren "grausames Verhalten" gegenüber "leichten oder verletzlichen Opfern" gezeigt, zitieren spanische Medien aus der Urteilsbegründung.

Ren selbst erklärte demnach, es habe sich lediglich um einen schlechten Scherz gehandelt. Nachdem Kritik an dem Video laut geworden war, habe er es bei YouTube gelöscht und eine kurze Zeit bei dem Obdachlosen verbracht. Dessen Tochter soll er den Berichten zufolge 300 Euro gezahlt haben, um eine Klage zu verhindern. Ren sei es dabei nicht um Reue gegangen, wird die Richterin nun zitiert; sondern darum, sein Image aufzupolieren.

In der Originalversion des Videos erklärt Ren laut den Berichten, womöglich etwas zu weit gegangen zu sein. Allerdings gebe es auch einen positiven Aspekt: "Das wird ihm helfen, seine Zähne zu putzen. Ich glaube, er hat sie nicht mehr geputzt, seitdem er arm geworden ist."

aar

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