Organisierte Kriminalität Europol warnt vor rasanter Rocker-Expansion

"Die Welt ist nicht genug", lautet ein Slogan der Hells Angels: Motorradgangs verbreiten sich nach Europol-Erkenntnissen in Europa mit atemberaubender Geschwindigkeit. In fünf Jahren entstanden etwa 120 neue Ableger der international agierenden Clubs.


Berlin/Dubrovnik - Europa erlebt eine in dieser Aggressivität bisher beispiellose Ausbreitung von als schwerkriminell eingestuften Motorradgangs. Wie die europäische Polizeibehörde Europol am Donnerstag mitteilte, haben die Hells Angels, die Bandidos sowie die Outlaws in den vergangenen fünf Jahren insgesamt rund 120 neue Ableger gegründet. Deren Zahl ist damit auf mehr als 425 gestiegen. Die der Organisierten Kriminalität zugerechneten Motorradgangs sind in Europa inzwischen stärker vertreten als in den USA und Kanada. Dort existieren insgesamt nur rund 300 Chapter dieser drei Gruppen.

Europol-Direktor Rob Wainwright nannte die steigende Präsenz der Motorradgruppen "besorgniserregend". Ein Kennzeichen der Gang-Aktivitäten in Europa sei schwere Kriminalität. Europol beobachtet die Szene intensiv, da die Behörde die Rockergruppen als "Bedrohung der nationalen Sicherheit" einstuft. Besondere Kopfschmerzen macht den Sicherheitsexperten der gegenwärtige massive Vorstoß der Hells Angels nach Südosteuropa. Die dortigen Polizeibehörden haben bisher nur wenige Erfahrungen mit der Strategie der Rockergruppen.

Während einer Sicherheitskonferenz in Dubrovnik versuchten Europol-Experten die Aufmerksamkeit ihrer Kollegen auf die von den Gangs ausgehenden Gefahren zu lenken. Deren Vertreter haben regelmäßig beteuert, mit Kriminalität nichts zu tun, sondern lediglich Interesse am Motorradfahren zu haben. Die Europol-Fachleute warnten davor, diese Behauptungen für bare Münze zu nehmen.

"Gewalt und Kriminalität sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil ihre Aktivitäten", heißt es in einer am Donnerstagnachmittag verbreiteten Erklärung. Europol bietet den betroffenen Staaten, zu denen beispielsweise Albanien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien gehören, Hilfe durch Zugriff auf Analysen und Ermittlungsergebnisse der Polizeibehörde an.

jdl/dapd



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