Organisierte Kriminalität Justiz klagt Clan-Boss "Don Mikel" an

Gewerbsmäßiger Betrug und Geldwäsche: Nach SPIEGEL-Informationen hat die Staatsanwaltschaft Köln Anklage im bislang größten Verfahren gegen Mitglieder und Helfer der Großfamilie Goman aus Leverkusen erhoben.

Durchsuchung im Leverkusener Haus der Familie Goman (März 2018)
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Durchsuchung im Leverkusener Haus der Familie Goman (März 2018)

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Er protzte mit teuren Autos, Uhren, einer Luxuswohnung - und kassierte nebenher Sozialleistungen. Mit seiner Dreistigkeit brachte es Michael Goman, Führungsfigur der berüchtigten Großfamilie Goman aus Leverkusen, im vergangenen Jahr zu bundesweiter Bekanntheit.

Jahrelang hatte die Kölner Sonderkommission "Bischof" gegen Goman und 48 weitere Beschuldigte aus dem Umfeld des weitverzweigten Roma-Clans ermittelt. Der Verdacht: Geldwäsche, Urkundenfälschung, dubiose Immobiliendeals und gewerbsmäßige Betrügereien aller Art. Mit einer groß angelegten Razzia im März 2018 schlug die Polizei schließlich zu. Michael Goman, Spitzname "Don Mikel", und einige mutmaßliche Helfer kamen in Untersuchungshaft.

Michael Goman
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Michael Goman

Die komplexen Vorwürfe gegen die Beschuldigten teilten die Fahnder in mehrere Verfahren auf. Im größten und wichtigsten Fall hat die Staatsanwaltschaft Köln nach SPIEGEL-Informationen nun Anklage erhoben. In der 116 Seiten starken Anklageschrift werfen die Beamten Michael Goman gewerbsmäßigen Betrug in 21 Fällen vor. Demnach soll sich der Clan-Boss über Monate das Vertrauen eines vermögenden älteren Ehepaares erschlichen und es durch geschickte Manipulationen regelrecht ausgenommen haben. (Lesen Sie hier die Hintergründe dazu.)

"Mama" und "Papa" nannte er den Erkenntnissen zufolge die Eheleute irgendwann. Immer wieder ließ sich Goman erhebliche Geldbeträge von dem Ehemann vorstrecken, die er offenbar nie zurückzahlte. Die Staatsanwaltschaft sieht in jeder der kontinuierlichen Zahlungen an Goman eine eigene Betrugshandlung. Mutmaßlicher Gesamtschaden: rund eine Million Euro.

Video: Die Geschäfte der Großfamilie Goman

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Darüber hinaus wirft die Staatsanwaltschaft "Don Mikel" eine falsche eidesstattliche Versicherung vor. So gab er im Jahr 2017 gegenüber einer Gerichtsvollzieherin an, er lebe bei seinen Eltern und verdiene lediglich 550 Euro netto im Monat. Außerdem sei ihm der Aufenthaltsort seiner Frau unbekannt.

Stattdessen aber lebte Goman laut Anklage zu diesem Zeitpunkt "mit seiner Partnerin und den gemeinsamen Kindern in einer luxuriös ausgestatteten und 200 Quadratmeter großen Wohnung in Leverkusen". Bezahlt wurde die Wohnung nach SPIEGEL-Informationen vom Sozialamt - denn für die Stadt war "Don Mikel" offiziell vermögenslos. Eine Anfrage zu den Vorwürfen gegen seinen Mandanten ließ der Rechtsanwalt des Michael Goman unbeantwortet.

Drei mutmaßlichen Strohmännern Gomans wirft die Staatsanwaltschaft außerdem Geldwäsche vor. Die Männer, darunter einer seiner Söhne, sollen für Goman laut Anklage jahrelang Autos und Immobilien beschafft und dabei zur Verschleierung der wahren Besitzverhältnisse ihre Namen zur Verfügung gestellt haben. Zwei von ihnen sitzen ebenfalls in Untersuchungshaft.

In einem abgetrennten Verfahren wurde "Don Mikel" bereits im November wegen eines Teppichbetruges, den er mit zwei Komplizen beging, zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt. Im aktuellen Fall könnten jetzt weitere Jahre im Gefängnis hinzukommen. Sollte die Anklage vom Kölner Landgericht zugelassen werden, wird die Verhandlung voraussichtlich Ende Mai vor der 17. Großen Strafkammer beginnen.

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