Organspendeskandal Mediziner soll Patientenakten gefälscht haben

Ein Mediziner am Universitätsklinikum Göttingen soll im großen Umfang Krankenakten gefälscht haben, um ausgewählten Patienten eine Spenderleber zu verschaffen. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Es soll sich um etwa 25 Fälle handeln.
Universitätsklinik Göttingen: Skandal um Organspenden

Universitätsklinik Göttingen: Skandal um Organspenden

Foto: dapd

Göttingen - Ein Organspendeskandal erschüttert das Universitätsklinikum Göttingen: Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" soll ein Arzt in mindestens zwei Dutzend Fällen die Krankenakten von Patienten gefälscht haben, um ihnen eine Spenderleber zu beschaffen.

Ermittlungen der Ständigen Kommission Organtransplantation hätten ergeben, dass Dialyseprotokolle gefälscht oder frei erfunden wurden und Laborwerte manipuliert wurden. Auf diese Weise seien die Patienten auf dem Papier als kränker erschienen, als sie in Wirklichkeit waren - und sollen schneller eine Spenderleber von der internationalen Vermittlungsstelle Eurotransplant zugeteilt bekommen haben.

Schon im Juni war der Fall eines russischen Patienten bekannt geworden, der an der Universitätsklinik in Göttingen eine Spenderleber bekommen haben soll - obwohl er in Deutschland keinen Anspruch auf ein Organ gehabt hätte. Auch hier soll der Göttinger Oberarzt die Krankenakte gefälscht haben.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt bisher unter anderem wegen Bestechlichkeit gegen den Mediziner. Die Klinik sagte der Zeitung, der Medizinier sei nach Bekanntwerden des Falls entlassen worden. Es sollen demnach jedoch mehrere Personen in die Machenschaften verwickelt gewesen sein.

Noch sei unklar, ob Geld geflossen ist und die Daten absichtlich manipuliert wurden. Ermittelt werden müsse auch, ob durch das Vorgehen andere Patienten auf der Warteliste für eine Lebertransplantation zu Schaden gekommen oder gar verstorben sind.

aar
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