Organspendeskandal Staatsanwaltschaft Münster ermittelt gegen Transplantationschef

Haben Ärzte am Transplantationszentrum in Münster bei der Vergabe von Lebern Patientendaten gefälscht? Nach einem Anfangsverdacht durch die Prüfungskommission ermittelt jetzt auch die Staatsanwaltschaft. Ob es zur Anklage kommt, ist noch unklar.

Lebertransplantationszentrum: Manipulationsverdacht am Uniklinikum Münster
DPA

Lebertransplantationszentrum: Manipulationsverdacht am Uniklinikum Münster


Münster - An 24 Zentren werden in Deutschland Lebern transplantiert - nicht immer ging es dabei bisher mit rechten Dingen zu: Monatelang überprüfte die Bundesärztekammer (BÄK) die deutschen Lebertransplantationszentren auf Auffälligkeiten und Regelverstöße bei der Vergabe von Spenderorganen. Dabei stießen die Prüfer außer auf Göttingen, Leipzig und München auf eine weitere Universitätsklinik, an der es offenbar Manipulationen gegeben hat: Münster.

Wie jetzt bekannt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft in Münster wegen des Verdachts auf Regelverstöße. Oberstaatsanwalt Heribert Beck bestätigte der Nachrichtenagentur dpa am Samstag einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung". "Aber wohlgemerkt, es besteht lediglich ein Anfangsverdacht", sagte Beck. Ob es zu einer Anklage komme, sei noch offen.

Ermittelt werde zunächst gegen den Leiter der dortigen Klinik für Transplantationsmedizin, da dieser der formal Verantwortliche sei. Über eine Anklage gegen ihn oder andere Ärzte werde aber erst in einigen Monaten entschieden.

In Göttingen läuft derzeit das bundesweit erste Verfahren, in dem ein Arzt nach Manipulation von Patientendaten ein Tötungsdelikt vorgeworfen wird. Unregelmäßigkeiten waren auch aus Regensburg, Leipzig und München bekannt geworden. Dem Bericht der Prüfungskommission zufolge hatte es in Regensburg zwischen 2010 und 2011 aber doch keine Auffälligkeiten gegeben.

Die unabhängige Prüfkommission von Ärzten, Krankenhäusern und Kassen hatte nach BÄK-Angaben die Krankenakten von insgesamt 1180 Patienten kontrolliert, die 2010 und 2011 nach dem Tod gespendete Lebern erhalten hatten. Die Vorwürfe, dass es auch in Münster schwere Regelverstöße gegeben habe, hatte die Klinik zurückgewiesen. Dem Bericht zufolge seien durch Falschangaben Patienten möglicherweise auf der Warteliste nach vorne gerückt.

In Folge der Skandale waren die Spenderzahlen in Deutschland dramatisch eingebrochen. Am Donnerstag hatte der Ethikrat über das deutsche Verteilungssystem von Organen diskutiert. Einige Mitglieder fordern jetzt eine Änderung des Transplantationsgesetzes.

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cib/dpa/AFP

insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Stauss2 29.09.2013
1. Selbst das Ausweiden von Patienten
muss in Deutschland streng nach den gesetzlichen Regelungen geschehen. Und die Verteilung derer Körperteile. Das Fleischhygienegesetz - FlHG findet adäquat Anwendung bei den Trockennasenaffen. Sonst gibt´s Berufsverbot und Hunderte von Patienten sterben. Aber staatlicher Wille ist selbst dem Sterben übergeordnet.
Bundestrainer 29.09.2013
2. Usename
Zitat von Stauss2muss in Deutschland streng nach den gesetzlichen Regelungen geschehen. Und die Verteilung derer Körperteile. Das Fleischhygienegesetz - FlHG findet adäquat Anwendung bei den Trockennasenaffen. Sonst gibt´s Berufsverbot und Hunderte von Patienten sterben. Aber staatlicher Wille ist selbst dem Sterben übergeordnet.
Aus Ihrem Beitrag ist eindeutig erkennbar, dass Ihr Username Stuss2, besser noch Stusshoch2 lauten müsste.
Medienkenner 29.09.2013
3.
Viele Menschen sind sich über verschiedene Hintergründe des Organspende(un)wesens leider gar nicht im Klaren, weshalb ich mir erlaube, folgendes zu zitieren: "Laut Deutschem Bundesrat sollte jeder, der sich für eine Organspende entscheidet, darüber informiert sein, worüber er entscheidet. Allerdings werden die wichtigsten Entscheidungsinformationen – ob Hirntod identisch mit dem tatsächlichen Tod ist, und ob Hirntote evtl. Schmerzen empfinden – vorenthalten bzw. es wird unzulänglich darüber informiert. Organentnahme kann nur bei noch Lebenden vorgenommen werden! Jeder, der sich zur Organspende bereit erklärt hat oder dessen Angehörige nach seinem Tode der Organentnahme zustimmen, jeder, der in einem Land stirbt, in dem die sog. Widerspruchsregelung gilt, ohne dass er seinen Widerspruch dort hat registrieren lassen, muss wissen: Organe sind zur Übertragung nur geeignet, wenn sie dem Körper eines noch nicht wirklich Verstorbenen, sondern als noch lebend-frische Organe von einem nur 'Hirntoten' entnommen werden!! Wirklich tot ist ein Mensch aber erst, wenn Atmung und Herz völlig ihre Tätigkeit eingestellt haben. Organe von einem wirklich leblosen Körper, also einer Leiche, sind nicht mehr zur Transplantation geeignet! Ergo: Wer einer Organspende zustimmt, stimmt de facto seiner Tötung durch Ärzte, im Grunde seiner juristisch 'legitimierten' Ermordung zu! Erlaubnis erteilende Angehörige stimmen de facto der Sterbehilfe bzw. Mord durch Ärzte zu! Dazu mehr: Ist Sterbehilfe oder Suizid nach moralisch/ethisch/religiösen Kriterien erlaubt? Welche Konsequenzen würden sich darauf ergeben? Jahrtausendealte, sichere Todeseintrittskennzeichen werden ignoriert – zu Profitzwecken. Zur Erinnerung: Nachdem der südafrikanische Chirurg Christian Barnard im Dezember 1967 die erste Herztransplantation vorgenommen hatte und 1968 in den USA Chirurgen in 70 Fällen gefolgt waren, begann der US-Staatsanwalt deswegen, wegen vorsätzlicher Tötung gegen die Transplantationschirurgen zu ermitteln. Als Reaktion darauf definierte eine Harvard-Ad-hoc-Kommission 1968 den Tod des Menschen willkürlich – d.h. Profitzwecken dienend – neu. Sie erklärte ein (angeblich oder wirklich) irreversibles Koma bereits als 'Tod'. (Vortrag Hirntod-Konzept und Organspende: WIE TOT IST HIRNTOT? (http://www.transplantation-information.de/veroeffentlichungen/vortraege/wie_tot_ist_hirntot_die_untoten_2011.html#sec:3)) Damit hob die Harvard-Ad-hoc-Kommission die bisher seit Jahrtausenden geltende Erkenntnis und Erfahrung auf, wonach ein Mensch erst dann tot ist, wenn sein Herz und die Atmung irreversibel zum Stillstand gekommen waren, und Seele und Geist den Körper endgültig verlassen hatten."(zit.n. Organspende, Organtransplantation, Transplantation, Lebendspende, Organhandel, Angehörige von Hirntoten. Außerdem: Seminare bzw. Fortbildungen zu verschiedenen Themen für Pflegekräfte und andere. (http://www.transplantation-information.de))
Lebensberater 29.09.2013
4.
Es gibt viele Gründe, gegen Transplantionen zu sein. Daß ein Organspender nicht wirklich tot ist bei der Organentnahme, halte ich für den schwerwiegendsten Grund. "Gemäß heutiger Neurowissenschaft sind die Eingeweide von mehr als 100 Millionen Nervenzellen umhüllt. Dieses "2. Gehirn" ist quasi ein Abbild des Kopf**hirns. Zelltypen, Wirkstoffe und Rezeptoren sind exakt gleich. Oft entscheidet der Mensch 'aus dem Bauch heraus'. Solange noch das Bauchhirn lebt, kann es die Todesdefinition "Hirntod" = Tod nicht geben. Das gilt auch für das Herz und seine Intelligenz. Es kann auch nach dem Hirntod weiter schlagen. So liest man z.B. in dem Buch "Die Herz-Intelligenz-Methode", VAK-Verlag, Seite 56: "Dank seiner komplexen Schaltkreise kann das Herz unabhängig vom Gehirn arbeiten. Es kann lernen, sich erinnern, ja selbst fühlen und empfinden……" Uns 'geht etwas zu Herzen, das Herz wird uns schwer, es kann uns brechen'. Da Seele und Geist eigenständig existieren und sich erst nach dem wirklichen Tod vom materiellen Körper entfernen, bekommt ein sogenannter Hirn'toter' alles mit, was bei der Auswaidung des Körpes an ihm und um ihn herum geschieht."
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