Überblick Was in Orlando geschah - und wie die Welt reagiert

Was ist über den Schützen von Orlando bekannt? Wie ging er vor? Gibt es Verbindungen zu Terroristen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.


  • Was ist in Orlando passiert?

Es ist die bisher schlimmste Bluttat eines Todesschützen in der US-Geschichte: In dem Nachtklub Pulse hat ein Mann in der Nacht zu Sonntag Dutzende Menschen als Geiseln genommen und erschossen. 50 Gäste seien gestorben, sagte Orlandos Bürgermeister Buddy Dyer. Zudem seien 53 Menschen verletzt worden, von denen viele noch in Lebensgefahr schwebten. Der Angreifer wurde von der Polizei getötet. Das Massaker ereignete sich während des Gay-Pride-Monats, in dem überall in den USA Homosexuellenparaden stattfinden. Das Pulse bezeichnet sich auf seiner Webseite als "heißester Schwulenklub".

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  • Wie ging der Schütze vor?

Laut dem Polizeichef von Orlando betrat der Schütze um 2.02 Uhr den Nachtklub - und eröffnete sofort das Feuer. Er war mit einem halbautomatischen Gewehr vom Typ AR-15 bewaffnet und hatte zudem eine Handfeuerwaffe und Munition dabei. Der Schütze nahm mehrere Geiseln. Um 5 Uhr begann der Einsatz der Polizei. Nach zwei Explosionen, mit denen der Täter abgelenkt werden sollte, stürmten Beamte einer Spezialeinheit den Klub. Insgesamt schossen elf Beamte auf den Mann. Kurz vor sechs Uhr meldete die Polizei über Twitter den Tod des Angreifers. Ein detailliertes Protokoll der Ereignisse finden sie hier.

  • Was ist bisher über den Täter bekannt?

Der Schütze wurde als Omar Mateen identifiziert, 29 Jahre alt, US-Staatsbürger aus Fort Pierce in Florida. Seine Eltern stammen nach Angaben von Mateens Ex-Frau aus Afghanistan. Sie nannte Mateen nun vor Reportern gewalttätig und unberechenbar. Mateen war ihren Angaben zufolge psychisch krank.

Mateen war seit dem 10. September 2007 für G4S tätig, eine der weltweit größten Sicherheitsfirmen. Das bestätigte eine Sprecherin des britischen Unternehmens. Sowohl bei seiner Einstellung als auch im Jahr 2013 sei Mateen Sicherheitschecks unterzogen worden; in beiden Fällen sei nichts Besorgniserregendes festgestellt worden. Im Jahr 2013 habe die Firma erfahren, dass die Bundespolizei FBI Mateen befragt habe.

Mateen musste laut G4S im Dienst eine Waffe tragen. Die Waffen, die er bei dem Massaker im Pulse nutzte, kaufte er kurz zuvor legal. US-Medienberichten zufolge fuhr Mateen mit einem Mietwagen von Fort Pierce ins rund 170 Kilometer entfernte Orlando.

  • Gibt es Verbindungen zu Terroristen?

Das FBI ermittelt wegen eines Terrorakts. Mateen war der Behörde bekannt. FBI-Ermittler Ronald Hopper sagte auf einer Pressekonferenz, der Attentäter sei im Visier der Behörde gewesen, nachdem er vor Kollegen Andeutungen gemacht hatte, die "an eine mögliche Verbindung mit Terroristen denken ließen". Mateen habe schon früher seine Nähe zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu erkennen gegeben. Er sei zweimal vernommen worden, die Ermittlungen seien aber eingestellt worden.

Außerdem sei gegen Mateen wegen möglicher Kontakte zu einem US-Selbstmordattentäter ermittelt worden, sagte Hopper. Kurz vor dem Anschlag in der Nacht zum Sonntag habe Mateen sich in einem Anruf bei der Notrufnummer 911 zum IS bekannt. Eine dem IS nahestehende Nachrichtenagentur meldete, der Schütze von Orlando sei ein "Kämpfer" der Miliz gewesen. Ermittler haben bisher allerdings keinen Hinweis auf eine direkte Kommunikation zwischen Mateen und dem IS gefunden.

Mateens Vater sagte dem US-Sender MSNBC, er glaube nicht an ein religiöses Motiv. Stattdessen deutete er an, dass sein Sohn starke Antipathien gegen Schwule gehegt habe. Auch Mateens Ex-Frau nannte ihn nicht sehr religiös.

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Massaker in Orlando: Trauer und Stolz
  • Was ist bisher über die Opfer bekannt?

Die Stadt Orlando hat damit begonnen, online die Namen der Opfer zu veröffentlichen. Bisher sind sieben Personen auf der Liste, sie sind zwischen 20 und 36 Jahren alt. Nur in diesen sieben Fällen konnten bisher die Angehörigen informiert werden.

Das soziale Netzwerk Facebook hat nach dem Massaker erstmals in den USA seine Funktion "Safety Check" aktiviert: Damit können Nutzer, die sich möglicherweise in gefährdeten Gegenden aufhalten, per Klick angeben, ob sie in Sicherheit sind. Bisher nutzte Facebook diese Funktion unter anderem bei Naturkatastrophen oder den Attentaten in Paris.

  • Wie reagiert die US-Politik auf die Tat?

US-Präsident Barack Obama sprach im Weißen Haus von einem "Akt des Terrors und des Hasses". Eine solche Tat könne die Lebensweise der Menschen in den USA aber nicht ändern. Der Präsident forderte seine Landsleute auf, "nicht der Angst nachzugeben".

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump sagte hingegen: "Was in Orlando passiert ist, ist erst der Anfang." Er wiederholte seine Forderung, allen Muslimen die Einreise in die USA zu verwehren. Außerdem forderte er Obama auf, zurückzutreten - unter anderem, weil er sich "schändlicherweise" geweigert habe, die Wörter "radikaler Islam" zu benutzen.

Die größte Muslimorganisation der USA verurteilte das Massaker aufs Schärfste. Nihad Awad vom CAIR (Council On American-Islamic Relations) sagte: "Wie kann so jemand glauben, für uns zu sprechen? Er ist das Gegenteil von allem, wofür wir stehen, als Muslime und als Amerikaner."

  • Wie sind die Reaktionen aus dem Rest der Welt?

Aus Deutschland kondolierten Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Papst Franziskus und Russlands Präsident Wladimir Putin bekundeten ihr Beileid, ebenso wie die britische Königin Elizabeth II.. Hier können Sie diese und weitere Reaktionen im Einzelnen nachlesen.

  • Was ist in Los Angeles passiert?

Vor dem Beginn einer Gay-Pride-Parade in West Hollywood bei Los Angeles nahmen Polizisten einen Mann fest. In seinem Auto fanden sie eigenen Angaben zufolge zahlreiche Waffen, darunter mehrere Gewehre, Munition und Chemikalien. In ersten Berichten zum Thema hieß es, der Mann habe ausgesagt, "Schaden anrichten" zu wollen. Das wies die Polizeichefin der Stadt, Jacqueline Seabrooks, inzwischen zurück. "Er sagte, er gehe zu der Veranstaltung. Andere Informationen sind falsch." Der Mann sei nun wegen des Besitzes von Waffen und explosivem Material in Gewahrsam.

Ein Zusammenhang zwischen dem Massaker in Orlando und der Festnahme bei Los Angeles ist den Ermittlern zufolge nicht festgestellt worden. Die Parade in West Hollywood fand wie geplant statt, wenn auch unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen.

asa/aar/dpa/AFP/AP/Reuters



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