Wegen Totschlags verurteilter Ex-Sportler Oscar Pistorius trifft Vater seines Opfers

Der frühere Paralympics-Star Pistorius hat neun Jahre nach den tödlichen Schüssen auf seine Lebensgefährtin deren Vater getroffen. Ziel der Zusammenkunft: Der Täter soll den Schaden anerkennen, den er angerichtet hat.
Oscar Pistorius (vor einer Gerichtsverhandlung im Juni 2016)

Oscar Pistorius (vor einer Gerichtsverhandlung im Juni 2016)

Foto: Siphiwe Sibeko / REUTERS

Die Verabredung gilt als Teil einer Rehabilitationsmaßnahme, die Gespräche zwischen Tätern und Opfern ermöglichen soll: Oscar Pistorius, der seine Freundin am Valentinstag 2013 in seinem Haus in der südafrikanischen Stadt Pretoria erschossen hatte, hat nun deren Vater getroffen.

»Ich kann bestätigen, dass Barry Steenkamp und Oscar Pistorius am 22. Juni 2022 an einem Opfer-Täter-Dialog teilgenommen haben«, teilte eine Anwältin der Familie Steenkamp mit – und bat um Rücksicht, zum genauen Inhalt des Treffens keinen weiteren Kommentar abgeben zu können. Die südafrikanische Strafvollzugsbehörde betonte indes, dass das Treffen nicht automatisch bedeute, dass der ehemalige Sportstar auf Bewährung freikomme: Ziel dieser Dialoge sei es, dass Täter »den Schaden anerkennen, den sie ihren Opfern und der Gesellschaft zugefügt haben«.

Der unterschenkelamputierte Sportler Pistorius hatte seine Freundin, das Model Reeva Steenkamp, am 14. Februar 2013 durch die geschlossene Badezimmertür erschossen. Vor Gericht beteuerte er stets, Steenkamp für einen Einbrecher gehalten und in Panik gehandelt zu haben.

Oscar Pistorius sitzt seit 2015 wegen Totschlags an seiner Freundin im Gefängnis. In dem Prozess sagte die Richterin, die Staatsanwaltschaft habe nicht zweifelsfrei belegen können, dass der Angeklagte vorsätzlich gehandelt habe: »Die Fakten reichen nicht aus, um diese These zu stützen.« Gleichzeitig aber warf sie Pistorius vor, die Schüsse in einer »bewussten Entscheidung« abgegeben zu haben.

Seine Haftstrafe sitzt der 35-Jährige im Atteridgeville-Gefängnis nahe Pretoria ab, im November des vergangenen Jahres wurde er kurzzeitig in ein Gefängnis nahe der Hafenstadt Gqeberha (früher Port Elizabeth) verlegt – die Region, in der auch Steenkamps Eltern leben. Die Hälfte seiner 13-jährigen Haftzeit hat Pistorius bereits abgesessen.

nil/AFP/Reuters
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