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11. April 2014, 11:48 Uhr

Mordprozess in Pretoria

Staatsanwalt nennt Pistorius einen Lügner

Kann man Oscar Pistorius glauben? Im Mordprozess gegen den Sprinter versucht Staatsanwalt Gerrie Nel, Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit des Angeklagten zu wecken. Unter anderem warf er Pistorius vor, die Unwahrheit zu sagen.

Pretoria - Staatsanwalt Gerrie Nel hat im Mordprozess gegen Oscar Pistorius den Angeklagten als Lügner bezeichnet. Am dritten Tag in Folge nahm Nel Pistorius ins Kreuzverhör und versuchte, Zweifel an der Glaubwürdigkeit des 27-Jährigen zu wecken.

Nel kam auch auf die Tatnacht zu sprechen. Der Dialog zwischen Nel und Pistorius zur Tatnacht war eine der spannendsten Phasen des bisherigen Prozesses. Pistorius sagte, er habe nicht schlafen können und Ventilatoren ins Zimmer geholt. Dann habe er gehört, wie ein Fenster geöffnet worden sei - er glaubte, jemand wolle sich Zutritt zum Haus verschaffen.

"Ich war für ein paar Sekunden wie erstarrt", sagte Pistorius. Dann habe er schnell seine Waffe geholt und sich an seine Freundin Reeva Steenkamp gewandt, die er neben sich wähnte. "Ich habe zu ihr geflüstert. Ich habe sie nicht angeschaut. Ich habe das Geräusch mit ihr nicht besprochen." An diesem Morgen des 14. Februar sei er sich sicher gewesen, was er gehört habe. "Ich sagte Reeva, sie solle die Polizei rufen."

Rüffel für den Staatsanwalt

Pistorius hat zugegeben, Steenkamp am 14. Februar 2013 durch die Toilettentür seines Schlafzimmers erschossen zu haben. Der an beiden Unterschenkeln amputierte Sportler beteuert, er habe Steenkamp für einen Einbrecher gehalten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm jedoch vor, das Model ermordet zu haben.

Nel gab sich überzeugt, dass Pistorius Steenkamp erschossen habe, als das Model hinter der Toilettentür stand und mit dem Sportler sprach. "Das ist nicht wahr", sagte Pistorius. Die "einzige vernünftige Erklärung" sei, dass Pistorius die junge Frau im Streit erschossen habe, beharrte Nel.

Dass der Staatsanwalt Pistorius' Version für unglaubwürdig hält, machte er wie schon am Vortag sehr deutlich. Als es um die Anordnung der Gegenstände im Schlafzimmer ging, bezeichnete der Ankläger Pistorius als Lügner. Richterin Thokozile Masipa warnte den Staatsanwalt, er solle auf seine Ausdrucksweise achten. "Man bezeichnet den Angeklagten nicht als Lügner, während er im Zeugenstand ist."

Zuvor hatte der Ankläger verschiedene Vorfälle bemüht, um Pistorius in ein bestimmtes Licht zu stellen. So habe Pistorius sich nicht an die Polizei gewandt, nachdem in seiner ehemaligen Wohnung eingebrochen worden sei. In der Wohnanlage Silver Woods, wo Pistorius Steenkamp erschoss, gab es hingegen keine Einbrüche. Nel wollte zeigen, dass die Anlage sehr sicher war - und es deshalb keinen Grund für Pistorius gab, zur Waffe zu greifen.

"Sie geraten immer tiefer in Schwierigkeiten"

Laut Pistorius war die Alarmanlage in der Tatnacht eingeschaltet. Aber ein Einbrecher hätte die Sicherung unterbrechen können - oder Handwerker. So hätten beispielsweise Maler 2012 die Alarmanlage ausgeschaltet. Daraufhin hielt ihm Nel vor, 2013 etwas anderes über die Anlage gesagt zu haben.

"Sie geraten immer tiefer in Schwierigkeiten", sagte der Staatsanwalt. Er sei erschöpft, antwortete Pistorius - deswegen mache er Fehler. 2013 sei er sich keiner Schwierigkeiten mit der Alarmanlage bewusst gewesen. "Ich bin nicht überzeugt, ich glaube, Sie versuchen, eine Lüge zu verheimlichen", sagte Nel.

Nel thematisierte auch einen Vorfall aus dem Jahr 2012, um zu zeigen, dass Pistorius "nach Ärger suche". Pistorius sagte, damals sei er angegriffen worden. Der Sportler hatte eine Auseinandersetzung mit einem TV-Produzenten, der mit Pistorius damaliger Freundin Samatha Taylor gesprochen hatte.

ulz/AP

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