SPIEGEL ONLINE

Entscheidung in Südafrika Berufungsgericht verurteilt Oscar Pistorius wegen Mordes

Oscar Pistorius ist des Mordes an Reeva Steenkamp schuldig - das hat ein Berufungsgericht in Südafrika entschieden. Nun drohen dem Paralympics-Star wohl mindestens 15 Jahre Haft.

Ein Berufungsgericht in Südafrika hat das Urteil gegen Oscar Pistorius verschärft. Der Paralympics-Star wurde wegen Mordes an seiner Freundin Reeva Steenkamp verurteilt. Nach deutschem Recht entspricht der Straftatbestand am ehesten dem Totschlag.

Der Angeklagte ist "des Mordes schuldig", da er mit "kriminellem Vorsatz" gehandelt habe, urteilte Richter Eric Leach in Bloemfontein. Die vorherige Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung sei falsch gewesen.

Leach verwies den Fall an die Vorinstanz zurück. Diese muss nun das Strafmaß neu festsetzen. Pistorius, der bei der Verkündung des Berufungsurteils nicht im Gericht anwesend war, drohen im Normalfall mindestens 15 Jahre Haft. Nur unter besonders milden Umständen könnte das Gericht eine geringere Strafe verhängen.

Der unterhalb der Knie amputierte Sportler hatte Steenkamp am Valentinstag 2013 mit vier Schüssen durch die geschlossene Toilettentür getötet. Pistorius beteuerte stets, er habe in der Toilette einen Einbrecher vermutet und in Panik gehandelt.

Derzeit steht Pistorius unter Hausarrest

Im ersten Prozess war der 29-Jährige wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Doch bereits nach einem Jahr Gefängnis wurde Pistorius im Oktober in den Hausarrest entlassen. Den Rest seiner Strafe sollte er unter Auflagen in der Luxusvilla seines Onkels in Pretoria absitzen.

Bis zur Verhängung der neuen Strafe dürfte Pistorius vermutlich im Hausarrest bleiben. Nach Verkündung des neuen Strafmaßes könnte er im kommenden Jahr wieder ins Gefängnis Kgosi Mampuru II in Pretoria zurückkehren.

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen das erste Urteil Berufung eingelegt, um eine härtere Strafe zu erwirken. Staatsanwalt Gerrie Nel bezweifelte den von Pistorius dargestellten Tathergang und unterstellte eine klare Mordabsicht.

Fünf Richter am obersten Berufungsgericht prüften daraufhin in den vergangenen vier Wochen das vorherige Urteil. Sie hörten keine neuen Zeugen, sondern untersuchten die Akten der ersten Instanz.

Richter Leach bewertete die Zeugenaussage des Angeklagten aus dem ersten Prozess als "schwankend und unwahr". Pistorius hätte voraussehen müssen, dass die Person hinter der Tür verletzt werden könnte. In Bezug auf seine Schuld sei die Identität des Opfers nicht relevant.

"Er wusste nicht, ob diese Person eine Bedrohung darstellt", sagte Leach in seiner Urteilsbegründung. "Es ist unvorstellbar, dass eine rationale Person denken würde, sie sei berechtigt, mit einer schweren Schusswaffe auf diese Person schießen zu dürfen." Pistorius sollte deshalb "nicht wegen fahrlässiger Tötung, sondern wegen Mordes verurteilt werden".

sms/wit/dpa/sid/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.