"Osmanen Germania" Razzien gegen Rocker - mehrere Festnahmen

Sie sollen Abtrünnige "erpresst, beraubt und brutal zusammengeschlagen haben": In mehreren Bundesländern hat die Polizei Wohnungen von Rockern durchsucht und mehrere Männer festgenommen.

Angehörige der "Osmanen Germania" (Archivbild)
DPA

Angehörige der "Osmanen Germania" (Archivbild)


Bei einer Großrazzia hat die Polizei fünf Mitglieder der Rockergruppe "Osmanen Germania BC" festgenommen. In Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen wurden Wohnungen, Geschäftsräume und Fahrzeuge durchsucht, wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mitteilten.

Hintergrund sind gewalttätige Auseinandersetzungen innerhalb der Rockergruppe. Die Festgenommenen im Alter zwischen 19 und 45 Jahren werden verdächtigt, andere Rocker, die sich Anweisungen widersetzten oder die Gruppe verlassen wollten, "erpresst, beraubt und brutal zusammengeschlagen zu haben". Zumindest in einem Fall sollen sie auch den Tod eines Opfers in Kauf genommen haben.

An dem Großeinsatz waren mehr als 400 Beamte der Landes- und Bundespolizei beteiligt, darunter auch mehrere Mitglieder von Spezialeinheiten. Die Polizisten beschlagnahmten unter anderem eine scharfe Schusswaffe, vier Schreckschusswaffen sowie Rauschgift, Bargeld und Schmuck.

"Anhaltende, meist gewalttätige Auseinandersetzungen"

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das LKA ermitteln bereits seit Ende 2016 gegen Mitglieder rockerähnlicher Gruppierungen. Hintergrund seien die "anhaltenden, meist auch gewalttätigen Auseinandersetzungen in diesem Milieu", teilten die Behörden mit.

Erst im März hatte die Staatsanwaltschaft Saarbrücken Anklage gegen den Chef des saarländischen Zweigs von "Osmanen Germania BC" erhoben - unter anderem wegen Anstiftung zum versuchten Mord. Der 28-Jährige soll im August 2016 Mitglieder des Klubs zu einer Vergeltungsaktion gegen die kurdische Rockergruppe "Bahoz" angestiftet haben. Dabei wurde vor einer Shisha-Bar in Saarbrücken eine Handgranate gezündet, die das Lokal beschädigte.

Die 2015 gegründeten "Osmanen Germania" gelten als türkisch-nationalistisch. Informationen des SPIEGEL zufolge soll der türkische Geheimdienst MIT Einfluss auf die Rocker ausüben. Maßgebliche Mitglieder der Osmanen agitierten auf Demonstrationen und im Internet aggressiv gegen kurdische Gruppen und die Gülen-Bewegung. Die Osmanen bestreiten, nationalistisch zu sein.

mxw/AFP



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