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25. Oktober 2010, 18:52 Uhr

Ottfried Fischer

Gericht verhängt Geldstrafen im Sexvideo-Prozess

Sie haben ihn betrogen und heimlich beim Sex gefilmt: Vier der fünf Angeklagten im Prozess um Nötigung und Verletzung der Intimsphäre von Schauspieler Ottfried Fischer haben sich bei ihrem Opfer entschuldigt. Ein ehemaliger "Bild"-Journalist" muss 14.400 Euro Geldstrafe zahlen.

München - Im Prozess um ein heimlich gedrehtes Sexvideo von dem Schauspieler Ottfried Fischer hat das Amtsgericht München an diesem Montag einen ehemaligen Journalisten der "Bild"-Zeitung und vier Angehörige des Rotlichtmilieus zu Geldstrafen zwischen 600 Euro und 14.400 Euro verurteilt. Der Schauspieler und Kabarettist trat in dem Prozess selbst als Zeuge auf.

Das Gericht verurteilte alle fünf Beschuldigten wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs Fischers, den ehemaligen "Bild"-Journalisten außerdem wegen Nötigung. Der inzwischen zu einem anderen Verlag gewechselte Journalist erhielt mit 180 Tagessätzen zu 80 Euro die höchste Geldstrafe. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, würde er damit als vorbestraft gelten.

Auch der als Auftraggeber des Films verurteilte Mike P., der 12.000 Euro zahlen muss, wäre damit vorbestraft, ebenso ein zu 3600 Euro Geldstrafe verurteilter Zuhälter.

Bis auf den ehemaligen "Bild"-Journalisten hatten sich alle Angeklagten beim "Pfarrer Braun"-Darsteller entschuldigt. P. sagte in seinem Geständnis wörtlich: "Herr Fischer, ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen für das, was gewesen ist, was wir Ihnen angetan haben mit dieser Geschichte."

Zuvor hatten sich alle Verfahrensbeteiligten bei einem Rechtsgespräch darauf geeinigt, dass im Falle "vollumfänglicher Geständnisse" die Angeklagten mit Geldstrafen rechnen können. Richter Hilmar Buch hatte die Verhandlung unmittelbar nach Verlesung der Anklageschrift für das Gespräch unterbrochen.

Video von intimem Treffen

Laut Staatsanwaltschaft hatten ein 36 und ein 44 Jahre alter Beschuldigter eine Frau angestiftet, ein Video von einem intimen Treffen mit Fischer in dessen Wohnung zu drehen. Im Sommer 2009 habe sie gemeinsam mit einer Komplizin den Schauspieler beim Sex gefilmt.

Mit diesem Video habe sich einer der Männer im September 2009 an den Redakteur der "Bild"-Zeitung gewandt und es ihm verkauft.Durch den Verweis auf den Film habe der 29 Jahre alte Journalist den Schauspieler daraufhin zur Zusammenarbeit mit ihm und seiner Zeitung gebracht, unter anderem zu einem Interview, in dem Fischer umfangreich Auskunft über sein Verhältnis zu den Frauen gab.

Der Journalist sagte aus, dieses Video sei nie zur Veröffentlichung bestimmt gewesen. Er habe Fischers Agentin erst auf deren Nachfrage bestätigt, dass es ihm vorliege. Laut Fischers Anwalt Steffen Ufer ist das Video nach wie vor verschwunden.

Der 29-Jährige ist mittlerweile nicht mehr für die "Bild"-Zeitung tätig. Er hat nach Angaben seines ehemaligen Arbeitgebers "ein lukratives Angebot eines anderen Verlags" angenommen. Ein Sprecher des Verlags Axel Springer bezeichnete im Vorfeld des Prozesses die Vorwürfe der Münchner Staatsanwaltschaft gegen den Journalisten als "haltlos". Es gebe "keinen Anhaltspunkt für eine Nötigung". Vielmehr habe sich Fischers Agentin aus freien Stücken an die Zeitung gewandt.

Der Kabarettist und Schauspieler trat in dem Prozess als Nebenkläger auf. Er hätte der "Bild"-Zeitung kein Interview gegeben, wenn nicht ein Video seiner Treffen mit zwei Prostituierten aufgetaucht wäre. "Dann hätte ich eigentlich keinen Grund gehabt", sagte der Schauspieler im Prozess aus.

Er habe sich nur zu einer Zusammenarbeit mit der "Bild" bereit erklärt, weil ihm seine PR-Beraterin gesagt habe: "Wenn du denen nichts gibst, dann verlierst du deinen 'Pfarrer Braun', dann bist du am Ende." Außerdem habe er die negative Berichterstattung nicht mehr ertragen und den "Strohhalm" des Interviews ergriffen.

Der Richter beschrieb die Entscheidung als schwierig. Der "Bild"-Journalist habe Fischer zwar sicherlich nicht ausdrücklich mündlich bedroht. Aus der Gesamtschau ergebe sich aber, dass stillschweigend die Bedrohung im Raum stand, dass das Video durch die "Bild"-Zeitung verwertet werden könnte.

kng/dapd/AFP

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