Ottfried Fischer Gericht verhängt Geldstrafen im Sexvideo-Prozess

Sie haben ihn betrogen und heimlich beim Sex gefilmt: Vier der fünf Angeklagten im Prozess um Nötigung und Verletzung der Intimsphäre von Schauspieler Ottfried Fischer haben sich bei ihrem Opfer entschuldigt. Ein ehemaliger "Bild"-Journalist" muss 14.400 Euro Geldstrafe zahlen.

dapd

München - Im Prozess um ein heimlich gedrehtes Sexvideo von dem Schauspieler Ottfried Fischer hat das Amtsgericht München an diesem Montag einen ehemaligen Journalisten der "Bild"-Zeitung und vier Angehörige des Rotlichtmilieus zu Geldstrafen zwischen 600 Euro und 14.400 Euro verurteilt. Der Schauspieler und Kabarettist trat in dem Prozess selbst als Zeuge auf.

Das Gericht verurteilte alle fünf Beschuldigten wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs Fischers, den ehemaligen "Bild"-Journalisten außerdem wegen Nötigung. Der inzwischen zu einem anderen Verlag gewechselte Journalist erhielt mit 180 Tagessätzen zu 80 Euro die höchste Geldstrafe. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, würde er damit als vorbestraft gelten.

Auch der als Auftraggeber des Films verurteilte Mike P., der 12.000 Euro zahlen muss, wäre damit vorbestraft, ebenso ein zu 3600 Euro Geldstrafe verurteilter Zuhälter.

Bis auf den ehemaligen "Bild"-Journalisten hatten sich alle Angeklagten beim "Pfarrer Braun"-Darsteller entschuldigt. P. sagte in seinem Geständnis wörtlich: "Herr Fischer, ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen für das, was gewesen ist, was wir Ihnen angetan haben mit dieser Geschichte."

Zuvor hatten sich alle Verfahrensbeteiligten bei einem Rechtsgespräch darauf geeinigt, dass im Falle "vollumfänglicher Geständnisse" die Angeklagten mit Geldstrafen rechnen können. Richter Hilmar Buch hatte die Verhandlung unmittelbar nach Verlesung der Anklageschrift für das Gespräch unterbrochen.

Video von intimem Treffen

Laut Staatsanwaltschaft hatten ein 36 und ein 44 Jahre alter Beschuldigter eine Frau angestiftet, ein Video von einem intimen Treffen mit Fischer in dessen Wohnung zu drehen. Im Sommer 2009 habe sie gemeinsam mit einer Komplizin den Schauspieler beim Sex gefilmt.

Mit diesem Video habe sich einer der Männer im September 2009 an den Redakteur der "Bild"-Zeitung gewandt und es ihm verkauft.Durch den Verweis auf den Film habe der 29 Jahre alte Journalist den Schauspieler daraufhin zur Zusammenarbeit mit ihm und seiner Zeitung gebracht, unter anderem zu einem Interview, in dem Fischer umfangreich Auskunft über sein Verhältnis zu den Frauen gab.

Der Journalist sagte aus, dieses Video sei nie zur Veröffentlichung bestimmt gewesen. Er habe Fischers Agentin erst auf deren Nachfrage bestätigt, dass es ihm vorliege. Laut Fischers Anwalt Steffen Ufer ist das Video nach wie vor verschwunden.

Der 29-Jährige ist mittlerweile nicht mehr für die "Bild"-Zeitung tätig. Er hat nach Angaben seines ehemaligen Arbeitgebers "ein lukratives Angebot eines anderen Verlags" angenommen. Ein Sprecher des Verlags Axel Springer bezeichnete im Vorfeld des Prozesses die Vorwürfe der Münchner Staatsanwaltschaft gegen den Journalisten als "haltlos". Es gebe "keinen Anhaltspunkt für eine Nötigung". Vielmehr habe sich Fischers Agentin aus freien Stücken an die Zeitung gewandt.

Der Kabarettist und Schauspieler trat in dem Prozess als Nebenkläger auf. Er hätte der "Bild"-Zeitung kein Interview gegeben, wenn nicht ein Video seiner Treffen mit zwei Prostituierten aufgetaucht wäre. "Dann hätte ich eigentlich keinen Grund gehabt", sagte der Schauspieler im Prozess aus.

Er habe sich nur zu einer Zusammenarbeit mit der "Bild" bereit erklärt, weil ihm seine PR-Beraterin gesagt habe: "Wenn du denen nichts gibst, dann verlierst du deinen 'Pfarrer Braun', dann bist du am Ende." Außerdem habe er die negative Berichterstattung nicht mehr ertragen und den "Strohhalm" des Interviews ergriffen.

Der Richter beschrieb die Entscheidung als schwierig. Der "Bild"-Journalist habe Fischer zwar sicherlich nicht ausdrücklich mündlich bedroht. Aus der Gesamtschau ergebe sich aber, dass stillschweigend die Bedrohung im Raum stand, dass das Video durch die "Bild"-Zeitung verwertet werden könnte.

kng/dapd/AFP



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murga, 25.10.2010
1. Entschuldigung
Bin vielleicht kleinlich: aber bittet man nicht um Entschuldigung? Sich selbst zu entschuldigen finde ich auch wieder frech. Nur mal so ...
viwaldi 25.10.2010
2. Titel gibt es immer wieder, und es wird sie geben, jetzt und immerdar.
Ja, was den nun? Hat Fischer nun keinen Grund gehabt mit der Bild Zeitung ein Interview zu machen - oder - hat er den "Strohhalm" des Interviews ergriffen, weil er die negative Berichterstattung nicht mehr ertrug? Herr Fischer ist der beste Zeuge für die BILD Zeitung, dass das Video NICHT als Drohung zur Interview-Nötigung verwandt wurde.
Draalo 25.10.2010
3. Ja nee, is klar, Bild hat damit nix zu tun...
Zitat von viwaldiJa, was den nun? Hat Fischer nun keinen Grund gehabt mit der Bild Zeitung ein Interview zu machen - oder - hat er den "Strohhalm" des Interviews ergriffen, weil er die negative Berichterstattung nicht mehr ertrug? Herr Fischer ist der beste Zeuge für die BILD Zeitung, dass das Video NICHT als Drohung zur Interview-Nötigung verwandt wurde.
Die Tatsache, das dieser "Journalist" kurz zuvor bei der Blöd eingestellt wurde und nun "fallen gelassen" wird (da haben WIR nix mit zu tun!!!111elf!) spricht Bände... einfach mal zwischen den Zeilen lesen liebe SPON-Leser...
majik 25.10.2010
4. Hut ab
Respekt vor der Zivilcourage des Herrn Fischer. Gegen Springer und die "Bild" aufzustehen, das kann in diesem Beruf schon mal das Ende der Karriere bedeuten. Um so wichtiger, dass das Gericht klargestellt hat, wo die Grenzen der Pressefreiheit liegen.
Sleeper_in_Metropolis 25.10.2010
5. Titel
Zitat von viwaldiJa, was den nun? Hat Fischer nun keinen Grund gehabt mit der Bild Zeitung ein Interview zu machen - oder - hat er den "Strohhalm" des Interviews ergriffen, weil er die negative Berichterstattung nicht mehr ertrug? Herr Fischer ist der beste Zeuge für die BILD Zeitung, dass das Video NICHT als Drohung zur Interview-Nötigung verwandt wurde.
Zitat : "...Ein ehemaliger "Bild"-Journalist" ..." Seit wann sind die Schmierfinken der BILD denn Journalisten ? Springers Boulevard-Schreiberlinger sind bestenfalls Reporter, und auch das nur mit sehr viel gutem Willen ;) Respekt auf jeden Fall, aber eher, weil er das ganze in die Öffentlichkeit gebracht hat.Vor Springer&Bild muß man als tatsächlicher oder vermeintlicher Promi nur Angst haben, wenn man auf gleichem Niveau rangiert, sprich die ganzen RTL-Dschungelcamp-B-Promis und ähnliche Boulevard-Sternchen, die nicht selten auch durch BILD groß bzw. größer wurden. Einigermaßen ernstzunehmende Prominente sind da meiner Meinung nach ziemlich unangreifbar.
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