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Schwere Vorwürfe: Hat der Papyrologe Dirk Obbink Bibel-Fragmente illegal verkauft?

Foto: NIkolas Giakoumidis/ AP

Eliteuniversität Oxford-Dozent soll historische Bibelfragmente illegal verkauft haben

Er gilt als einer der bekanntesten Papyrologen der Welt: Dirk Obbink soll antike Schriften ohne Erlaubnis an Evangelikale in den USA verkauft haben. Nun ermittelt seine Universität gegen ihn.

Ein Dozent der britischen Eliteuniversität Oxford wird beschuldigt, historische Bibelschriften illegal an ein umstrittenes Unternehmen in den USA verkauft zu haben. Es handelt sich um den US-Amerikaner Dirk Obbink, einen der bekanntesten Papyrologen der Welt, wie die britische Zeitung "The Guardian"  berichtet .

Obbink soll die Fragmente an die Kunsthandwerkskette Hobby Lobby abgegeben haben. Die Kette gehört einer prominenten Evangelikalen-Familie in den USA und ist bereits mehrfach wegen aggressiver Ankäufe historischer Schriften aufgefallen. Die Evangelikalen-Familie wiederum ist bekannt, weil sie ein 400 Millionen Dollar teures Bibelmuseum in Washington D.C. überwiegend allein finanziert.

Erhoben wurden die Vorwürfe gegen Obbink von der Egypt Exploration Society, einer britischen Stiftung zur Finanzierung von Ausgrabungen in Ägypten. Der Dozent ist an einem Papyrus-Projekt an der Uni Oxford beteiligt, das von der Stiftung getragen wird. Seine Kollegen in dem Projekt untersuchen den Fall. Die Stiftung bestätigte in einer Erklärung , dass sie gemeinsam mit der Uni gegen Obbink ermittele.

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In der Mitteilung der Egypt Exploration Society heißt es weiter, das Bibelmuseum habe die Stiftung darüber in Kenntnis gesetzt, über insgesamt elf Artefakte zu verfügen, die Obbink im Jahr 2010 in zwei Chargen an Hobby Lobby verkauft haben soll. Die Stiftung will nun ihre gesamten Bestände daraufhin untersuchen, ob weitere Schriften fehlen.

Obbink selbst äußerte sich auf Anfrage des "Guardian" nicht zu den Vorwürfen. Bereits im vergangenen Jahr hatte er laut der US-amerikanischen Nachrichtenseite "Daily Beast"  Teile der Behauptungen zurückgewiesen. So habe er nie ein Fragment des ersten Kapitels des Markusevangeliums an Hobby Lobby verkauft.

Papyrologe hat "Bedenken nicht zerstreut"

Obbink ist weiter an der Uni Oxford beschäftigt. Die Egypt Exploration Society hat ihn allerdings von seinen leitenden Aufgaben im Papyrus-Projekt entbunden. Zur Begründung hieß es, Obbink habe seine redaktionellen Pflichten "unbefriedigend" erfüllt und "Bedenken hinsichtlich seiner Beteiligung am Verkauf historischer Texte nicht zerstreut".

Hobby Lobby wurde 2017 bereits in einem anderen Fall wegen der illegalen Einfuhr antiker Artefakte zu einer Geldstrafe von drei Millionen Dollar verurteilt. Die Objekte aus dem Irak waren falsch deklariert und über die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel an das US-amerikanische Unternehmen verschickt worden.

jki
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