Pädophilen-Ring Zwei Männer wegen hundertfachen Kindesmissbrauchs angeklagt

Das Bundeskriminalamt hat einen erschütternden Fall sexuellen Missbrauchs aufgedeckt. Zwei Männer stehen in Baden-Baden vor Gericht. Sie sollen sich als Kindermodel-Agenten ausgegeben und sich mehrere hundert Mal an Kindern vergangen haben - auch an der Stieftochter eines Angeklagten.


Baden-Baden/Wiesbaden - Die Vorwürfe wiegen schwer: Ein 59-jähriger freier Fotograf aus Rastatt und ein 38-jähriger Beamter der sächsischen Arbeitsagentur sollen sich laut Staatsanwaltschaft Baden-Baden an mehreren Kindern vergangenen haben. Zudem, so die Ermittler, sollen die Männer ihre Taten fotografiert, gefilmt und über das Internet verkauft haben. Ab kommendem Dienstag müssen sich die beiden in Baden-Baden vor Gericht verantworten.

Besonders erschreckend ist ein weiterer Anklagepunkt: Der 38-jährige wollte den Ermittlern zufolge in Thailand einen Porno in Auftrag geben, bei dem zwei Kinder vor laufender Kamera missbraucht und danach erdrosselt werden sollten. Der geforderte Preis aus Thailand, 600 Euro, war dem Mann aber zu hoch. Deshalb habe er ein "kostengünstigeres und abgespecktes" Video erworben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die mutmaßlichen kriminellen Machenschaften der Männer hat das Bundeskriminalamt (BKA) Wiesbaden aufgedeckt. Nach Angaben der Ermittler gehört das Duo zu einem Pädophilen-Ring, dem das BKA seit 2009 auf der Spur ist.

Beide Männer sollen die Stieftochter des 59-Jährigen missbraucht, diese Taten gefilmt und über das Internet verkauft haben. Der Stiefvater soll sich mehr als 200 Mal an dem Mädchen vergangen haben. Nach der Veröffentlichung der Videos im Internet meldeten sich weitere Pädophilie bei dem Rastatter. Bereitwillig habe er die Kleine verkauft, sagt das BKA. Die Stieftochter ist heute zwölf Jahre alt. Auch der Missbrauch weiterer Kinder wird dem 59-jährigen vorgeworfen. Eines davon soll erst fünf Jahre alt gewesen sein.

Kinderpornographische Fotos auf Computern gefunden

Die mutmaßlichen Kinderschänder kamen offenbar an ihre Opfer, indem sie vorgaben, eine Kindermodel-Agentur zu betreiben. "Sie haben die Kinder zu sich gelockt und die Eltern belogen, um die Kinder dann auszuziehen und sich an ihnen vergehen zu können", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Baden-Baden. Auf den Computern der Männer wurden Dutzende weitere kinderpornografische Fotos gefunden, darunter von vielen Kindern aus Asien, deren Identität bislang nicht geklärt werden konnte.

Beide Angeklagte sitzen seit September 2010 in Untersuchungshaft. Bereits im Dezember wurde Anklage erhoben. Die Staatsanwaltschaft hat den Fall erst jetzt veröffentlicht, um die Opfer zu schützen und weitere Ermittlungen nicht zu gefährden.

Für die Verhandlung vor der Jugendschutzkammer des Landgerichts Baden-Baden sind vier Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll am 16. März gesprochen werden. Der Strafrahmen bei schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern liegt zwischen zwei und 15 Jahren.

ulz/dpa



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