Pädophilie-Verdacht Ministerialrat soll Kinderpornos gehabt haben

Gegen 322 Verdächtige hat die Polizei nach dem jüngsten Schlag gegen die Pädophilenszene Ermittlungen aufgenommen. Unter ihnen ist auch ein hoher Beamter aus dem bayerischen Wirtschaftsministerium, wie jetzt bekannt wurde. Er soll Kinderpornos besessen haben.


München/Bielefeld - Der allein stehende Mann habe auf seinem privaten Rechner entsprechende Dateien aus dem Internet gespeichert, sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler heute. "Auf dem beruflichen PC war nichts vorhanden."

Wie das bayerische Wirtschaftsministerium mitteilte, wurde gegen den Ministerialrat vorsorglich ein Disziplinarverfahren eingeleitet. "Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, werden alle notwendigen dienstrechtlichen Konsequenzen gezogen", hieß es. Laut Oberstaatsanwalts Winkler hat der beschuldigte Beamte die Vorwürfe bereits eingeräumt. Die Fahnder waren ihm bei der bundesweiten Aktion "Mikado" auf die Spur gekommen.

Bei der Operation wurden insgesamt mehr als 20 Millionen Kreditkarten auf fünf von den Ermittlern vorgegebene Kriterien hin überprüft. Trafen alle Merkmale zu, wurden die persönlichen Daten an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet; so führte die Fahndung zu 322 Beschuldigten in Deutschland. Seit September wurden deren Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht - und dabei Hunderte private Computer und kistenweise Datenträger mit Fotos und Videos entdeckt.

Auch die Computer des bayerischen Ministerialrats - zu Hause und am Arbeitsplatz - wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft bereits vor Weihnachten untersucht.

"Schwierig, verlorene PC-Daten zu rekonstruieren"

Unterdessen suchen Fahnder in Bielefeld nach dem Computer eines Unbekannten, der sieben kinderpornografische Bilder eines Mädchens, darunter vier Nacktfotos, verbreitet hat. Die heute 13-Jährige aus dem Kreis Gütersloh (Nordrhein-Westfalen) hatte in einem Chatraum einen Mann kennen gelernt und auf seinen Wunsch hin Fotos von sich mit dem Fernauslöser aufgenommen - während sie sexuelle Handlungen an sich vornahm.

Man versuche, den Einwahlpunkt zu finden, von dem aus der Mann in den Chatraum gekommen sei, sagte der Bielefelder Oberstaatsanwalt Reinhard Baumgart heute. Allerdings gebe es ein Problem: "Es ist schwierig, nach zweieinhalb Jahren verlorene PC-Daten zu rekonstruieren." Es könne sich außerdem auch um einen Rechner in einem Internetcafé handeln. Die Polizei ermittelt nun gegen den Unbekannten wegen Kindesmissbrauchs sowie der Verbreitung von Kinderpornografie.

Für die Verbreitung, den Erwerb und den Besitz von kinderpornografischen Inhalten sieht das Strafgesetzbuch Haftstrafen zwischen drei Monaten und fünf Jahren vor. Auch die Aufforderung an ein Kind, sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen, ist Oberstaatsanwalt Baumgart zufolge strafbar.

fba/dpa



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