Eine Woche nach Terrorattacken Polizistin vor Elysée-Palast umgefahren

In Paris ist eine Polizistin in der Nähe des Amtssitzes des französischen Präsidenten angefahren und verletzt worden - offenbar mit Absicht. Zwei Verdächtige wurden festgenommen. Der Fahrer sagte, er habe aus Angst nicht angehalten.

Polizisten vor dem Elysée-Palast: Keine Verbindung zum "Charlie Hebdo"-Anschlag
DPA

Polizisten vor dem Elysée-Palast: Keine Verbindung zum "Charlie Hebdo"-Anschlag


Paris - Kurz vor Mitternacht ist in Paris eine Polizistin angefahren und verletzt worden. Der Vorfall ereignete sich laut Nachrichtenagentur Reuters und dem Nachrichtensender France Info in der Nähe des Elysée-Palasts, des Amtssitzes des französischen Präsidenten. Demnach wurde die Polizistin von dem Fahrzeug erfasst, auf die Kühlerhaube geworfen und leicht am Bein, an der Schulter und am Arm verletzt.

"Meine Kollegin, die mit der Sicherung des Elysée beauftragt war, bemerkte ein Auto, das entgegen der Einbahnstraße fuhr. Sie hat sich dem Wagen genähert", sagte eine Polizeisprecherin dem Sender Europe 1. Ihren Angaben zufolge wurde die 37 Jahre alte Polizistin absichtlich überfahren: "Derzeit gibt es keinerlei Zweifel an der Absicht des Fahrers, meine Kollegin umzufahren. Sie bestätigt, dass der Fahrer sie angesehen und nicht gebremst hat, sie also absichtlich erfasste."

Fahrer und Beifahrer - zwei 19-Jährige aus dem Departement Essonne - flüchteten den Berichten zufolge vom Tatort, konnten aber kurz darauf festgenommen werden. Nach zwei weiteren Insassen wird gesucht. Bisher haben die jungen Männer in Polizeigewahrsam kein Motiv angegeben. Polizeiquellen berichteten Europe 1, der Fahrer habe bei dem Verhör angegeben, er habe nicht angehalten, weil er Angst hatte. "Ich weiß nicht, warum ich das getan habe."

Beide Männer hätten nicht das Profil von Dschihadisten, hieß es von der Polizei. Einer von ihnen sei bereits wegen Vandalismus aufgefallen, jedoch habe es keine Anzeige gegeben. Der andere sei der Polizei noch nie aufgefallen. Nach Erkenntnissen von Europe 1 sind beide auch den französischen Geheimdiensten nicht bekannt.

Die Polizeigewerkschaft Alliance spricht von einem mutwilligen Vorgehen. Möglicherweise sei "das gegenwärtige Klima" den Jugendlichen zu Kopf gestiegen, sagte ein Sprecher der Polizeigewerkschaft Alliance laut France Info. Laut Staatsanwaltschaft hat der Vorfall nichts mit den Anschlägen der vergangenen Woche zu tun.

Der islamistische Anschlag auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" hatte Frankreich in der vergangenen Woche in Atem gehalten. Die Brüder Chérif und Said Kouachi hatten bei ihrem Anschlag auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" mehrere französische Sicherheitskräfte ermordet. Die Extremistenorganisation al-Qaida im Jemen hat sich zu dem Anschlag bekannt.

Wie nervös die Lage in Frankreich derzeit ist, zeigt jedoch auch die Tatsache, dass Präsident François Hollande noch in der Nacht den Unfallort besuchte.

wit/sts/ras/Reuters

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.