Gefängnisausbruch mit Helikopter Französische Polizei nimmt Rédoine Faïd fest

Schon zweimal gelang Rédoine Faïd die Flucht aus dem Gefängnis, zuletzt vor drei Monaten. Der Ausbruch war filmreif - jetzt haben ihn französische Polizisten festgenommen.

AP/ Interpol

Drei Monate nach seiner spektakulären Helikopter-Flucht aus einem französischen Gefängnis hat die Polizei den bekannten Kriminellen Rédoine Faïd gefasst. Er wurde laut der französischen Justizministerin Nicole Belloubet in der Gemeinde Creil festgenommen.

Er werde in ein Gefängnis mit "höchst engmaschiger Überwachung" gebracht, sagte Justizministerin Belloubet. Ermittlerkreise bestätigten die Festnahme sechs weiterer Personen.

Der schon mehrfach zu Freiheitsstrafen verurteilte Faïd war am 1. Juli aus einem Gefängnis südöstlich der französischen Hauptstadt ausgebrochen. Die Aktion in der Haftanstalt in Réau südöstlich von Paris war filmreif.

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Ausbrecher Rédoine Faïd: Idol und Schwerverbrecher

Drei schwer bewaffnete Komplizen flogen mit einem entführten Hubschrauber-Piloten in den Gefängnishof. Berichten zufolge versprühten sie Tränengas und bedrohten die Beamten mit Sturmgewehren.

Anschließend brachen sie die Tür zum Besuchsraum auf, wo sich Faïd aufhielt, der gerade von seinem Bruder besucht wurde. Der Ausbruch dauerte nur wenige Minuten, es wurde niemand verletzt.

Bereits 2013 war dem "König der Ausbrecher" die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis gelungen. Damals nahm er vier Wächter als Geisel.

Inspiriert von "Scarface"

Der Wiederholungstäter ist in Frankreich berüchtigt. Vor acht Jahren veröffentlichte der Einwanderersohn, der in einem nördlichen Vorort von Paris aufwuchs, ein Buch über seine "Karriere" als Spezialist für das Ausrauben von Geldtransportern.

Der selbsternannte Urban Cowboy mit algerischen Wurzeln wurde zum Idol vieler junger Menschen in den französischen Banlieues - jenen Vorstädten, in denen die Jugend-Arbeitslosigkeit nicht selten bei 50 Prozent liegt.

Er tingelte durch Talkshows, berichtete, er habe sich von Kinofilmen wie "Scarface" und "Heat" inspirieren lassen und gab sich geläutert. Dennoch wurde er wieder kriminell: Faïd war im April wegen eines Raubüberfalls zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Bei einer Verfolgungsjagd war damals eine Polizistin getötet worden.

jpz/dpa/AFP

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