Pariser Krawalle Überlebender von Clichy vor Gericht

Muhittin Altun hat im Herbst 2005 als einziger die Stromstöße in einem Trafo-Häuschen in Clichy-sous-Bois überlebt. Der Tod seiner beiden Freunde aber führte zu wochenlangen Krawallen. Jetzt soll der 18-Jährige vor Gericht - wegen der Beteiligung an aktuellen Ausschreitungen.


Bobigny - Der Jugendliche soll nach Angaben aus Justizkreisen am 31. August vor dem Strafgericht Bobigny erscheinen. Ihm wird vorgeworfen, gestern am späten Abend im Pariser Vorort Clichy-sous-Bois Steine auf einen Einsatzwagen der Polizei geschmissen zu haben. Das Auto ging daraufhin in Flammen auf. Zwei Polizisten wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Altun würde nun "bewaffnete Teilnahme an einer Zusammenrottung" sowie "mutwillige Zerstörung eines Polizeifahrzeuges" vorgeworfen, hieß es. Sein Anwalt bestritt die Vorwürfe.

Pariser Polizisten im Einsatz: Jüngste Unruhen wecken Erinnerung an Ausschreitungen vom vergangenen Herbst
AFP

Pariser Polizisten im Einsatz: Jüngste Unruhen wecken Erinnerung an Ausschreitungen vom vergangenen Herbst

Im vergangenen Herbst hatte Altun noch vom Krankenbett aus an die Krawallmacher appelliert: "Diese Gewalt ist nicht gut, denn sie bringt meine Kumpels nicht zurück", sagte er. "Neben mir liegt eine Frau, die nichts getan und trotzdem Verbrennungen erlitten hat. Das Ganze muss aufhören."

Unterdessen weckten neue Unruhen in Pariser Vorstädten die Erinnerung an die wochenlangen Ausschreitungen vom Herbst. Bei den jüngsten Krawallen wurden in Montfermil und Clichy-sous-Bois 6 Beamte verletzt und 13 Menschen vorläufig festgenommen.

Die oppositionellen Sozialisten warfen Innenminister Nicolas Sarkozy vor, nach den Unruhen vom November auf eine Strategie der Konfrontation gesetzt zu haben. Sarkozy, der im nächsten Jahr zum Staatspräsidenten gewählt werden möchte, sagte bei einem Besuch in einem Kommissariat, die neuerlichen Ausschreitungen seien geplant gewesen. "Wir haben es mit Strolchen zu tun, die nur ein Ziel haben: so viel Schaden und Verletzte wie möglich", erklärte der Minister.

Der Bürgermeister von Raincy im Departement Seine-Saint-Denis bei Paris, Eric Raoult, beklagte darüber hinaus, dass die Justiz nicht hart genug gegen die Unruhestifter vom Herbst vorgegangen sei.

aki/AFP/AP



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