Nach Parkland-Amoklauf Untätiger Deputy Sheriff festgenommen

Als ein Attentäter in der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland um sich feuerte, war ein bewaffneter Wachmann auf dem Schulgelände. Er griff allerdings nicht ein - und wurde nun angeklagt.

Videoaufnahme vom 14. Februar 2018, dem Tag des Parkland-Amoklaufs: Rechts ist der Deputy Sheriff zu sehen
Broward County Sheriffs Office/Handout/ REUTERS

Videoaufnahme vom 14. Februar 2018, dem Tag des Parkland-Amoklaufs: Rechts ist der Deputy Sheriff zu sehen


Fast eineinhalb Jahre nach dem Schulmassaker von Parkland ist ein damals untätig gebliebener Deputy Sheriff festgenommen worden. Dem 56-Jährigen wird unter anderem Vernachlässigung von Kindern und grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen, wie die Justizbehörden im Bundesstaat Florida mitteilten. Der Mann habe "absolut nichts" unternommen, um das Massaker zu stoppen.

"Es kann keine Entschuldigung für seine komplette Untätigkeit geben, und es gibt keinen Zweifel, dass seine Untätigkeit Leben gekostet hat", erklärte Justizvertreter Rick Swearingen. Von der Behörde hieß es, sollte der Angeklagte in allen elf Punkten schuldig gesprochen werden, könnte ihm eine Höchststrafe von 97 Jahren Haft drohen.

Am 14. Februar 2018 hatte der 19-jährige Nikolas Cruz an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland 14 Jugendliche und drei Erwachsene erschossen sowie 15 weitere verletzt. Der Schütze wurde festgenommen.

Zum Tatzeitpunkt war der nun festgenommene Scot Peterson auf dem Schulgelände im Einsatz - als Deputy Sheriff im Broward County. Mit dem Titel werden in den USA Einsatzkräfte bezeichnet, die im Auftrag des Sheriffs Polizeiaufgaben wahrnehmen.

Scot Peterson
REUTERS

Scot Peterson

Aufnahmen aus Überwachungskameras zeigen, dass der 56-Jährige während des Massakers nicht eingriff und das Gebäude nicht betrat. Nach Bekanntwerden der Aufnahmen bezeichnete US-Präsident Donald Trump den Mann öffentlich als "Feigling". Er selbst beteuert, er habe sich an die Einsatzregeln gehalten.

Die "New York Times" veröffentlichte den Haftbefehl gegen den Deputy Sheriff. Unter anderem werde ihm vorgeworfen, dass er den Schützen nicht konfrontiert habe, wie es seine Ausbildung vorsehe. Er habe sich "direkt und umgehend der Bedrohung entgegenstellen müssen", dies aber unterlassen. Stattdessen habe sich Peterson für die Dauer des Massakers in ein etwa 23 Meter entferntes Gebäude zurückgezogen. Er habe außerdem andere Sicherheitskräfte über Funk davor gewarnt, sich dem Schulgebäude zu nähern.

Der inzwischen pensionierte Peterson habe sich 48 Minuten lang mit gezogener Waffe versteckt, während in der Schule die Schüsse fielen, schrieb die Zeitung "Sun Sentinel". Petersons Anwalt wies die Vorwürfe zurück und erklärte, sein Mandant werde zum Sündenbock gemacht.

aar/ala/AFP/AP



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.