Passau Armbrust-Fall - Opfer wurden mit K.-o.-Tropfen betäubt

Im Passauer Armbrust-Fall mit mehreren Toten gibt es neue Erkenntnisse. Laut Ermittlern steckt eine Art Sekte hinter den Taten.

Tatort: Pension in Passau (Archiv)
Matthias Schrader/AP/DPA

Tatort: Pension in Passau (Archiv)


Im rätselhaften Fall der mit einer Armbrust erschossenen Toten in einer Pension im bayerischen Passau haben die Ermittlungen der Kriminalpolizei die Theorie eines erweiterten Suizids innerhalb einer Art privater Sekte erhärtet. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Passau mitteilte, gibt es dem nun vorgelegten Abschlussbericht zufolge weiterhin keine Anhaltspunkte für weitere Beteiligte.

Demnach handelte es sich nach Recherchen der Polizei im Umfeld der Verstorbenen um eine Tötung auf Verlangen samt anschließendem Suizid in einer Gruppe, die sich selbst als "Welterneuerer" oder "Welterschaffer" bezeichnete. Diese hing laut Sprecher der Vorstellung an, durch ihren gemeinsamen Tod einen Kreislauf von Wiedergeburten zu unterbrechen und in einer anderen Zeit sowie an einem anderen Ort ein "neues System" erschaffen zu können.

Wie die rechtsmedizinischen Untersuchungen ergaben, waren der Mitte Mai auf einem Bett in einem Zimmer der Pension gefundene Mann und die neben ihm liegende Frau mit K.-o.-Tropfen betäubt und handlungsunfähig. Die tot vor dem Bett gefundene Frau hatte keinerlei chemische Substanzen im Blut. Sie erschoss demnach zunächst den 53-jährigen Torsten W. und die 33-jährige Kerstin E.. Danach tötete sich die 30-jährige Farina C. selbst mit einem Pfeilschuss in den Hals.

Diese Erkenntnisse deckten sich mit bereits früher mitgeteilten Einschätzungen der Ermittler. Sie hatten nach dem Geschehen vom Anfang Mai unter anderem auch Testamente bei den Toten gefunden.

Akten werden voraussichtlich geschlossen

Torsten W. war den Ermittlungen zufolge Mittelpunkt der Gruppe. Vier bis fünf weitere Frauen sollen ihr angehört haben. Laut Polizei handelte es sich um einen als dominant und manipulativ beschriebenen Kampfsporttrainer und Psychologen, der vor allem Frauen mit psychischen Schwierigkeiten um sich scharte.

Unter seinem Einfluss brachen diese ihre sozialen Kontakte ab. Er habe auch Sex mit den Frauen gehabt, wie eine Aussteigerin aussagte. Die Frau sei an einem sicheren Ort. Ob Torsten W. tatsächlich einen Abschluss als Psychologe hatte, ist unklar.

Die Staatsanwaltschaft wird den Abschlussbericht der Polizei nach eigenen Angaben prüfen. Sollte sie sich den Erkenntnissen anschließen und keinen weiteren Ermittlungsbedarf sehen, werden die Akten voraussichtlich geschlossen. Alle Beteiligten sind tot. Es gibt niemanden, der juristisch belangt werden könnte.

Außer den drei Toten in Passau waren im Mai noch zwei weitere tote Frauen in einer Wohnung im niedersächsischen Wittingen entdeckt worden. Es handelte sich dabei um die 35-jährige Lebensgefährtin von Farina C., Gertrud C., und deren 19-jährige Mitbewohnerin Carina U. Auch sie gehörten zu der Sekte.

Dieser Fall wird von den Staatsanwaltschaft Hildesheim bearbeitet, der Passauer Sprecher hatte dazu keine weiteren abschließenden Informationen. Seinem Kenntnisstand nach starben die beiden Frauen dort durch Vergiftung.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hildesheim bestätigte das nicht. Sie sagte lediglich, man habe keine Hinweise auf Gewalteinwirkung bei den beiden toten Frauen festgestellt. Der abschließende Obduktionsbericht liege noch nicht vor.

wit/jpz/AFP/dpa

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