Pension bei Passau Drei Tote, zwei Armbrüste - und wohl keine weiteren Beteiligten

In einer Passauer Pension starben ein Mann und zwei Frauen - wohl durch Schüsse aus Armbrüsten. Die Ermittler setzen nun auf die Obduktion.

Gasthof nahe Passau
DPA

Gasthof nahe Passau


Am Tag danach erinnert vor einer Pension in Passau nichts an das Drama, das sich dort abgespielt haben muss. Keine Polizei, keine Absperrungen, keine lauernden Fotografen. In einem Pensionszimmer fanden Mitarbeiter am Samstag drei Tote, in den Körpern steckten Pfeile. Die Ermittler stellten zwei Armbrüste sicher.

Die Staatsanwaltschaft ordnete laut Polizei die Obduktion der Leichen an. Hinweise auf eine Beteiligung weiterer Menschen gebe es nicht. War es ein Verbrechen? Oder ein Suizid? Das müsse die Obduktion zeigen, sagte ein Sprecher der niederbayerischen Polizei zu SPIEGEL ONLINE. Denkbar seien verschiedene Szenarien, offen bleibe bis zur Obduktion, wer wen erschoss und in welcher Reihenfolge die Personen starben.

Suizide per Armbrust sind extrem selten, aber in der forensischen Literatur durchaus bekannt. Ab dem 18. Lebensjahr können Armbrüste frei erworben werden, sagte am Sonntag ein Sprecher des Deutschen Schützenbunds in Wiesbaden.

Für Betreiber und Gäste des Gasthofs geht der Betrieb inzwischen wieder seinen Gang. "Heute geöffnet" steht am Sonntag mit weißer Kreide auf einer Tafel geschrieben. Zum Sitzen im Biergarten unter den Kastanienbäumen ist es zwar zu kalt, aber die Wirtsstube ist rappelvoll. Es dringt Stimmengewirr nach draußen, Teller klappern. Das idyllisch und einsam gelegene Ausflugslokal ist in der Gegend beliebt.

Pension an der Ilz: Drei Tote in einem Zimmer
Lino Mirgeler/dpa

Pension an der Ilz: Drei Tote in einem Zimmer

"Klar haben wir das mitbekommen", sagt eine Frau, die selbst ganz aus der Nähe kommt. "Das ist schrecklich. Aber wir feiern jetzt Muttertag." Der Tisch sei schließlich schon reserviert gewesen. Auch andere Gäste wollen sich nicht den Appetit verderben lassen. Zu den drei Toten will sich die Wirtsfamilie nicht äußern. "Keine Zeit", wimmelt eine Frau ab und verschwindet in der Küche.

Bei den Toten handelt es sich um einen 53-jährigen Mann sowie um zwei Frauen im Alter von 33 und 30 Jahren. Sie sind deutsche Staatsangehörige. Der 53-Jährige und die 33-Jährige stammen nach Angaben der Ermittler aus Rheinland-Pfalz, die 30-Jährige aus Niedersachsen. Sie hatten sich am Freitag in der Pension eingemietet. In welchem Verhältnis sie zueinander standen, war unklar. Die Ermittlungen dauern an.


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Von Mirjam Uhrich und Ute Wessels, dpa/pat



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