Passauer Polizeichef Neue Todesdrohungen gegen Mannichl

Noch immer haben die Ermittler keine heiße Spur, die zum Mannichl-Attentäter führen könnte - aber der Passauer Polizeichef erhielt nun neue Drohungen. "Du wirst jetzt langsam sterben", heißt es laut einem Zeitungsbericht in einem anonymen Schreiben an den 52-Jährigen.


Passau - Die anonyme Drohung, die jetzt bei Alois Mannichl landete, wird von der Polizei sehr ernst genommen: "Du Drecksau bist leider nicht gleich verreckt, aber du wirst jetzt langsam sterben", heißt es laut einem Bericht des Passauer Wochenblatts "Am Sonntag" demnach in einem Schreiben. Den ersten Brief habe Mannichl zwei Tage nach dem Messeranschlag erhalten.

Das Messerattentat auf den Passauer Polizeichef am 13. Dezember gibt weiter Rätsel auf. Trotz Beobachtung der rechtsextremen Szene durch V-Leute liegen dem Verfassungsschutz zum Anschlag auf Mannichl über dessen Aussagen hinaus keine Erkenntnisse für einen rechtsextremistischen Tathintergrund vor. "Hätten wir Hinweise, würden wir diese sofort weiterleiten", sagte Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm der "Welt".

Die ermittelnde Staatsanwaltschaft wies auf mögliche Ungereimtheiten hin: Der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walch sagte der "Süddeutschen Zeitung", es sei "merkwürdig", dass für den Angriff auf den Polizeichef ein Messer aus dessen Haushalt benutzt worden sei und dass bisher keine Fremdspuren auf diesem Messer gefunden worden seien.

Mannichl war am 13. Dezember vor der Haustür seines Privathauses niedergestochen und dabei schwer verletzt worden. Gegenüber den Ermittlern hatte er ausgesagt, der Messerstecher habe ihm vor seiner Tat Grüße vom "Nationalen Widerstand" ausgerichtet. "Der häufig als Parole gebrauchte Begriff 'Nationaler Widerstand' wird seit den Verbotsmaßnahmen in den neunziger Jahren besonders von Neonazis verwendet, aber nicht ausschließlich", sagte Fromm der Zeitung "Die Welt" vom Samstag. Der derzeitige Ermittlungsstand erlaube noch keine abschließende Bewertung.

Mannichl selbst wies Berichte über Ungereimtheiten und offene Fragen im Zusammenhang mit der Tat zurück. "Ich bin wütend", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Spekulationen über einen angeblichen familiären Hintergrund der Tat seien "Quatsch".

Die bislang erfolglose Fahndung nach dem Täter ist für Mannichl nicht ungewöhnlich. "Das ist ein ganz normaler Ermittlungsfall. Nur weil der Polizeidirektor das Angriffsziel ist, besteht für den Täter keine Veranlassung, die Visitenkarte an der Haustür zu hinterlassen", sagte er dem Münchner Nachrichtenmagazin "Focus".

Knapp vier Wochen nach der Messerattacke fühlt sich der Passauer Polizeichef "körperlich und seelisch wieder einigermaßen hergestellt". Früher sei er allerdings lockerer gewesen, "lockerer im allgemeinen Verhalten und im Umgang mit anderen Menschen". Er habe auch noch "gewisse Ängste", da der Täter noch nicht ermittelt sei. "Ich wünsche mir so viel Normalität wie nur möglich", sagte Mannichl.

hen/dpa/AFP

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