Verurteilter Patientenmörder Fünf ehemalige Vorgesetzte von Niels Högel angeklagt

Sie versetzten ihn, stellten ihn frei, lobten ihn weg - doch sie stoppten ihn nicht: Die Staatsanwaltschaft wirft fünf ehemaligen Chefs des Patientenmörders Niels Högel Totschlag durch Unterlassen vor, zum Teil in Dutzenden Fällen.

Der Haupteingang des Klinikums Oldenburg: Den Patientenmörder nicht gestoppt
Ingo Wagner/ DPA

Der Haupteingang des Klinikums Oldenburg: Den Patientenmörder nicht gestoppt


Die juristische Aufarbeitung einer in Deutschland wohl beispiellosen Mordserie geht weiter. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat fünf Vorgesetzte des verurteilten Patientenmörders Niels Högel angeklagt. Sie wirft ihnen Totschlag durch Unterlassen vor. Zuerst hatte die "Nordwest-Zeitung" darüber berichtet.

Högel war Anfang Juni vom Landgericht Oldenburg wegen Mordes in 85 Fällen verurteilt worden. Zwischen 2000 und 2005 hatte er Patienten auf Intensivstationen in Oldenburg und Delmenhorst umgebracht (lesen Sie hier mehr über den Fall).

Bei den nun Angeklagten handelt es sich um den ehemaligen Geschäftsführer, die ehemalige Pflegedirektorin, den damaligen Chefarzt der Herzchirurgie, den Chefarzt der Anästhesie und einen Stationsleiter. Drei von ihnen sind heute nicht mehr im Klinikum tätig.

Die Ex-Kollegen hätten spätestens Ende Oktober 2001 erkannt, dass der Krankenpfleger gefährlich sei. Damals soll eine Liste vorgelegen haben, die überdurchschnittlich viele Reanimationen und Todesfälle anzeigte, wenn Högel anwesend war.

Aus Sorge um den Ruf ihres Hauses seien die Angeschuldigten untätig geblieben. Sie versetzten Högel demnach zunächst auf eine andere Station. Dort sei es zu neuen Problemen gekommen, Högel sei dann bei vollem Gehalt drei Monate freigestellt worden sein.

Mit sehr gutem Zeugnis weggelobt

Schließlich habe er ein sehr gutes Zeugnis bekommen und das Klinikum verlassen. Mit dem Zeugnis verschleierten die Beschuldigten der Anklage zufolge die tödliche Gefahr, die von dem Krankenpfleger ausging. Kurze Zeit später fing Högel in Delmenhorst an, wo er weitere Morde beging.

Dem Ex-Geschäftsführer und der früheren Pflegedirektorin wird Totschlag durch Unterlassen in 63 Fällen zur Last gelegt, dem Anästhesie-Chefarzt in 60 Fällen, dem Herzchirurgie-Chefarzt und dem Stationsleiter in drei Fällen.

Högel hat gegen das Urteil vom Juni Revision eingelegt. Bis zu einer Entscheidung kann er nicht als Zeuge in anderen Prozessen zu seinem Fall aussagen.

jpz/dpa

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.