Der Fall Peggy - eine Chronologie Ein Mädchen verschwindet

Die kleine Peggy verschwand im Mai 2001 - erst 15 Jahre später fand man ihre Knochen. Bei der Aufarbeitung des Falls gab es Wendungen und Skandale. Nun steht ein 41-Jähriger im Fokus der Ermittler. Der Überblick.

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Im Jahr 2001 verschwand im oberfränkischen Lichtenberg die damals neunjährige Peggy K. spurlos. 2016 entdeckte ein Pilzsammler in einem Waldstück nahe Lichtenberg Teile eines Skeletts - wenig später war klar: Es handelt sich um Überreste des verschwundenen Kindes.

Der Fund hat den Ermittlungen in dem Fall Auftrieb gegeben, derzeit verfolgen die Beamten der Soko Peggy offenbar eine neue Spur: In zwei Orten in Oberfranken laufen seit Mittwochabend größere Einsätze der Polizei, es kam zu Durchsuchungen und Vernehmungen. Ein Mann wurde vernommen, aber nicht inhaftiert.

Der Mann habe bereits früher zum "relevanten Personenkreis" im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Peggy gezählt, heißt es in einer Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft. Nun sei er wieder in den Fokus der Ermittler gerückt, weil inzwischen Untersuchungsergebnisse zu Spuren vom Fundort von Peggys Knochen vorliegen und frühere Erkenntnisse neu bewertet wurden.

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Der Fall Peggy: Eine Neunjährige verschwindet

Der 41-Jährige sei vernommen und danach wieder entlassen worden. Der Mann soll kein Geständnis abgelegt haben, wie Polizeisprecher Jürgen Stadter dem Bayerischen Rundfunk sagte - und widersprach damit entsprechenden Medienberichten.

Der Fall Peggy zählt zu den rätselhaftesten Mordfällen der jüngeren Vergangenheit, immer wieder gab es bei den Ermittlungen Pannen. Die Chronologie.

7. Mai 2001: Die neunjährige Peggy wird auf dem Heimweg von der Schule im oberfränkischen Lichtenberg zum letzten Mal gesehen. Am Abend gibt ihre Mutter eine Vermisstenanzeige auf. Wochenlange Suchaktionen der Polizei bleiben erfolglos.

Suche nach Peggy im Mai 2001
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Suche nach Peggy im Mai 2001

August 2001: Der 23 Jahre alte Gastwirtssohn Ulvi K. wird als Tatverdächtiger festgenommen. Er räumt ein, Peggy missbraucht zu haben, kann aber für die Zeit ihres Verschwindens ein Alibi vorweisen. Er wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

22. Oktober 2002: Die Polizei präsentiert Ulvi K. als mutmaßlichen Mörder von Peggy. Er habe gestanden. Später widerruft er das Geständnis.

Februar 2003: Die Staatsanwaltschaft erhebt Mordanklage gegen Ulvi K.

7. Oktober 2003: Vor dem Landgericht Hof beginnt der Prozess.

30. April 2004: Ulvi K. wird wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter sind davon überzeugt, dass er Peggy tötete, um den Missbrauch zu vertuschen. Der Beweis ist das Geständnis, das K. widerrufen hat. Der renommierte psychiatrische Gerichtsgutachter Hans-Ludwig Kröber hält es für glaubwürdig. Die Haft tritt K. nicht an, er bleibt in der forensischen Psychiatrie Bayreuth.

17. September 2010: Ein Mitpatient von K. in Bayreuth rückt von einer früheren Aussage ab: Ulvi K. habe ihm den Mord nicht gestanden. Der Mitpatient sagt, die Polizei habe ihn zu falschen Angaben gedrängt.

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Juli 2012: Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall Peggy erneut und geht Hinweisen auf einen möglichen Fundort der Leiche nach, dabei werden auch Grabungen durchgeführt. Ein Ergebnis gibt es nicht.

4. April 2013: Der Anwalt von Ulvi K. stellt einen Wiederaufnahmeantrag. Im Dezember ordnet das Landgericht die Wiederaufnahme des Verfahrens an. Anlass sind vor allem die gestiegenen Zweifel am Geständnis von Ulvi K.

September 2013: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mutmaßliche Verdächtige, die für den Tod von Peggy K. verantwortlich sein könnten. Es handelt sich um einen Freund der Familie von Peggy und dessen Halbbruder. Der Verdacht lässt sich nicht erhärten.

10. April 2014: Vor dem Landgericht Bayreuth beginnt der Wiederaufnahmeprozess im Fall Ulvi K. Im Mai wird der damals 36-Jährige freigesprochen.

März 2015: Das Oberlandesgericht Bamberg hebt die Unterbringung von Ulvi K. in der Psychiatrie Bayreuth auf. Er wird Ende Juli 2015 entlassen.

2. Juli 2016: Ein Pilzsammler findet in Thüringen, 15 Kilometer von Lichtenberg entfernt, Teile eines Skeletts. Drei Tage später steht aufgrund eines DNA-Abgleichs fest, dass es sich um sterbliche Überreste Peggys handelt.

13. Oktober 2016: Die Staatsanwaltschaft Bayreuth gibt bekannt, dass an einem Gegenstand vom Fundort der Leiche die DNA des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt festgestellt wurde. Es soll sich dabei um eine Stoffdecke handeln.

8. März 2017: Der vermeintlich spektakuläre DNA-Fund entpuppt sich als peinliche Ermittlungspanne. Die Polizei gibt bekannt, die Spur habe zweifelsfrei einem Kopfhörer Böhnhardts zugeordnet werden können - es habe eine Verunreinigung bei der Spurensicherung gegeben. Böhnhardt hatte also nichts mit Peggys Tod zu tun.

12. September 2018: Mehr als 17 Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens rückt die Soko Peggy zu einem neuen Einsatz aus. Im fränkischen Marktleuthen sowie in Lichtenberg , dem früheren Wohnort von Peggy, durchsuchen die Ermittler mehrere Häuser und vernehmen unter anderem einen Mann.

mxw

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