SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

10. April 2014, 16:34 Uhr

Prozessauftakt im Fall Peggy

Verteidiger erhebt Foltervorwurf gegen Ermittler

Ulvi K. muss sich erneut wegen Mordes an der damals neunjährigen Peggy Knobloch verantworten. Sein Verteidiger erhebt zum Prozessauftakt schwere Anschuldigungen: Die Ermittler hätten den Angeklagten mit brutalen Methoden verhört.

Bayreuth - Im Wiederaufnahmeverfahren zum Fall Peggy hat der Verteidiger des angeklagten Ulvi K. den Ermittlern brutales Vorgehen vorgeworfen. "Mein Mandant ist während der Vernehmung auch gefoltert worden", sagte K.s Anwalt Michael Euler vor dem Landgericht Bayreuth. Ein Polizist habe damals mit seinem Daumen in den Rücken des Angeklagten gedrückt und ihm Schmerzen zugefügt. Staatsanwältin Sandra Staade wies den Vorwurf zurück. Sie warf ihrerseits Euler vor, sich im Ton vergriffen zu haben.

Der geistig behinderte K. wurde im April 2004 zu lebenslanger Haft verurteilt. Weil Zweifel an der Schuld des 36-Jährigen auftauchten, ist der Fall nun erneut vor Gericht. Beim ersten Prozess war nicht bekannt, dass die Ermittler eine Tathergangshypothese angefertigt hatten - sie war K.s späterem Geständnis verdächtig ähnlich.

Zum Prozessauftakt sagte am Donnerstag ein früherer Ermittlungsrichter aus. Er schilderte dem Gericht, wie es zu einer verhängnisvollen Falschaussage eines wichtigen Belastungszeugen gekommen war.

Lüge kam Jahre später ans Licht

Ulvi K.s Zellengenosse Peter H. war damals von der Soko als V-Mann angeheuert worden. Er sagte aus, K. habe ihm gegenüber den Mord an der neunjährigen Peggy gestanden. Der mittlerweile gestorbene Zeuge räumte Jahre nach dem ersten Prozess jedoch ein, gelogen zu haben.

Euler sieht seinen Mandanten als Justizopfer: "Denn es ist nur schwer zu glauben, dass ein geistig Behinderter das perfekte Verbrechen begangen haben soll. Ohne Leiche. Ohne Spuren." K. habe bei seinen damaligen Vernehmungen vier völlig widersprüchliche Geständnisse abgelegt, so der Anwalt. Er zitierte weiter aus einem psychiatrischen Gutachten, wonach K. die Begabung hatte, selbst Lügengeschichten äußerst phantasievoll zu erzählen. Die Geständnisse seien solche Phantasiegeschichten gewesen.

Die Schülerin Peggy war am 7. Mai 2001 im oberfränkischen Lichtenberg spurlos verschwunden. Eine Leiche wurde nie gefunden. Ulvi K. nannte den Ermittlern damals jedoch verschiedene Orte, an denen er den Leichnam des Mädchens angeblich verschwinden ließ.

gam/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung