Fall Peggy Knobloch Früherer Chef-Ermittler weist Folter-Vorwürfe zurück

"Der einzige, der ihn bei den Verhörterminen angeschrien hat, war sein eigener Rechtsanwalt." Vor dem Landgericht Bayreuth widerspricht der Ex-Chefermittler im Fall Peggy den Vorwürfen, man habe den angeklagten Ulvi K. unter Druck gesetzt.

Zeuge im Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi K.: Der damalige Chefermittler Wolfgang Geier wies die Vorwürfe zurück
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Zeuge im Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi K.: Der damalige Chefermittler Wolfgang Geier wies die Vorwürfe zurück


Bayreuth - Zum Auftakt des Wiederaufnahmeverfahrens im Fall Peggy Knobloch erhob der Verteidiger des Angeklagten schwere Vorwürfe gegen die Ermittler. Der geistig behinderte Ulvi K. sei bei Befragungen unter Druck gesetzt und gefoltert worden. Nun hat der ehemalige Chefermittler Wolfgang Geier die Vorwürfe vor dem Landgericht Bayreuth zurückgewiesen.

"Wir haben sehr viel Wert darauf gelegt, eine angenehme Verhörsituation zu schaffen", sagte Geier. "Der einzige, der ihn bei den Verhörterminen angeschrien hat, war sein eigener Rechtsanwalt."

K. war im April 2004 als Mörder der neunjährigen Peggy zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Am 7. Mai 2001 war die Schülerin im oberfränkischen Lichtenberg spurlos verschwunden. Eine Leiche des Mädchens wurde nie gefunden. An der Richtigkeit von K.s Geständnis gibt es heute erhebliche Zweifel, nachdem ein wichtiger Belastungszeuge eine Falschaussage einräumte. Zudem argumentiert die Verteidigung, K. sei zu dem Geständnis - von dem es vier verschiedene Versionen geben soll - gedrängt worden.

Ex-Chefermittler Geier sagte nun, es sei keine harte Vernehmung gewesen. "Wir wussten: Ein lautes Schimpfwort an den Angeklagten, und er senkt den Kopf und sagt kein Wort mehr." Geier war damals Leiter der Soko "Peggy 2". "Wir haben Ulvi K. zu den Verhörterminen von einem Beamten fahren lassen, der nicht zur Soko gehörte, den Ulvi aber aus dem Ort kannte. Es war uns wichtig, dass ihn eine Person zu den Terminen bringt, die er kennt."

Geier verteidigte die Ermittlungen gegen den 36-Jährigen: K. habe zuvor bereits Kinder sexuell missbraucht. "Und der Tatverdächtige hielt sich nachweislich in der Nähe des Marktplatzes auf, was er vorher bestritten hatte." Dass es keine Aufzeichnung seines Geständnisses im Beisein seines Verteidigers gab, sei nicht die Schuld der Ermittler: "Es wurde versucht, das Geständnis im Beisein seines Rechtsanwalts zu wiederholen, die Termine wurden aber alle vom Rechtsanwalt abgesagt."

gam/dpa

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kugelsicher, 11.04.2014
1.
Und für das just in dem Moment kaputte Tonbandgerät und dann noch nicht mal eine wortwörtliche Mitschrift, ist dann sicher auch der damalige Verteidiger Schuld?! Und was der Verteidiger von damals dazu sagt, würde mich auch interessieren. Mal sehen, ob in diesem Prozess evtl. auch was zu dem, für mich wirklich Tatverdächtigen kommt. Schließlich wird hier der Fall Peggy neu verhandelt. http://www.bild.de/regional/leipzig/vergewaltigung/mordfall-peggy-verdaechtiger-verhoehnt-fahnder-35395766.bild.html http://www.bild.de/news/inland/vergewaltigung/verdaechtiger-gesteht-sexuellen-uebergriff-auf-peggy-34934002.bild.html
AmokSchleicher 11.04.2014
2. Richter sind auch zu etwas gut
warum dann nicht einen Richter sofort beiziehen? Das ist Vernehmer - EinMalEins. Danach hätte die Beweislage und die Situation im Termin anders ausgesehen. Ich verstehe das erste Urteil nicht und halte den Vernehmer für unfähig oder bösartig.
maperli 11.04.2014
3. Es wäre ein unbegreifliches Wunder ...
... gewesen, wenn der Chefermittler etwas anderes ausgesagt und die Vorwürfe also nicht weit von sich gewiesen hätte. Jetzt bin ich gespannt, ob die einfachste aller Fragen geklärt werden kann: Wie konnte dem geistig behinderten Ulfi K. ausser dem Mord an Peggy auch noch eine so raffinierte und gründliche Beseitigung der Leiche gelingen und zugetraut werden, dass sie auch in 13 Jahren von allen garantiert unbehinderten und hoch bezahlten Spezialisten nicht aufgefunden werden kann?
farid1979 11.04.2014
4.
Wäre ja auch ein Wunder, wenn mal einer die alten Seilschaften aufbricht, und die Wahrheit sagt. Stattdessen immer noch unwahre Behauptungen aufstellen, da sind alle dick mit dabei. Hauptsache, der eigene Hintern hockt im trockenen. Ein ziemlich jammerliches Bild, was unsere Justiz da abgibt.
angste 11.04.2014
5.
...und weil alles so ruhig und friedlich ablief, hat eine Ärztin in der Klinik dafür gesorgt, dass bei Ulvis Vernehmungen immer ein Pfleger vor der Tür stehen muß....weil da immer Geschrei und das Knallen der Aktenordner auf den Tisch zu hören war, Ulvi hinterher immer am Ende war.....
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