Todesstrafe Gouverneur in Pennsylvania setzt alle Hinrichtungen aus

Nach dem US-Bundestaat Ohio setzt nun auch Pennsylvania die Todesstrafe aus. Das System sei ungerecht und ineffizient, sagt der Gouverneur. Ein Insasse profitiert von dem Erlass.


Harrisburg - Der Gouverneur des US-Bundesstaates Pennsylvania hat die Todesstrafe ausgesetzt. Zur Begründung gab der erst kürzlich neugewählte Demokrat Tom Wolf an, das System sei "anfällig für Fehler, teuer und alles andere als unfehlbar". Die Todesstrafe werde zwar nicht abgeschafft, aber bis er den Bericht einer Untersuchungskommission erhalte, die sich seit vier Jahren mit dem Thema befasst, würden keine Hinrichtungen stattfinden.

"Dieses Moratorium ist in keiner Weise ein Ausdruck von Sympathie für die Schuldigen im Todestrakt, von denen alle für abscheuliche Verbrechen verurteilt wurden", hieß es in einer Mitteilung des Gouverneurs. Er begründete seine Entscheidung damit, dass das jetzige System lediglich einen endlosen Kreislauf von ineffektiven Gerichtsverfahren Vorschub leiste. Das sei ineffizient, teuer und ungerecht.

Von der Aussetzung der Strafe profitiert der verurteilte Mörder Terrance Williams, der Anfang März hätte hingerichtet werden sollen. Der Mann war seinerzeit Star-Quarterback seiner Highschool-Mannschaft und wurde 1986 für die Ermordung eines 56-Jährigen in Philadelphia zum Tode verurteilt. Damals war Williams 18 Jahre alt. Heute ist er Ende Vierzig. Gouverneur Wolf räumte ihm nun einen Vollstreckungsaufschub ein.

Nur drei Hinrichtungen seit 1978

Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1978 wurden in den USA 150 Vollstreckungen aufgehoben, in Pennsylvania allein waren es sechs Fälle. Nur drei Hinrichtungen fanden tatsächlich seither statt, und auch nur weil die Verurteilten ihre Aufhebungsersuche von sich aus aufgaben. 1999 wurde der bisher letzte Gefangene hingerichtet. In Pennsylvania sitzen derzeit 183 Männer und drei Frauen im Todestrakt.

Der US-Bundesstaat Ohio hatte bereits im Januar alle für dieses Jahr geplanten Hinrichtungen ausgesetzt. Die zuständige Gefängnisbehörde begründete den Schritt mit Vorbereitungen für die Umsetzung neuer Richtlinien bei der Vollstreckung der Todesstrafe. Zudem solle die Beschaffung neuer Substanzen sichergestellt werden, die zu Tötungen eingesetzt werden. In Ohio sollten 2015 sechs Menschen hingerichtet werden. Die Exekutionen wurden auf 2016 verschoben.

Hinrichtungen seit 1976

loe/AP

insgesamt 3 Beiträge
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christian53 14.02.2015
1. Ein erster Schritt
Ob sich wohl doch noch die Erkenntnis durchsetzt, dass die Todesstrafe in einem demokratischen Rechtsstaat nichts zu suchen hat? Der staatlich sanktionierte Mord sollte möglichst bald der Vergangenheit angehören. Um seinen Bürgern klar zu machen, dass es falsch ist zu töten, sollte der Staat nicht selber Wehrlose töten dürfen. Eine Strafe beinhaltet die Merkmale Sühne und Besserung. Wer tot ist, kann sich naturgemäß nicht mehr bessern. Es geht nur noch um Vergeltung. Dieses Relikt aus barbarischen Zeiten hat keinen Platz in einer Gesellschaft, die so viel Wert auf die Einhaltung der Menschenrechte legt - mal ganz abgesehen von der Irreversibilität, die bei Fehlurteilen keine Wiedergutmachung mehr ermöglicht.
lemmy 14.02.2015
2. Warten auf den Tod
22 Jahre warten auf den Tod ? Wie pervers ist das denn ? Und dann noch diese verstörenden Begründungen für die vorübergehende Aussetzung: es sei ineffektiv und zu teuer ? Das muss man erst mal sacken lassen. Monströs ! Das Töten eines Menschen wird daran gemessen, ob es sich "rechnet". Ich finde, tiefer kann man/mensch nicht mehr sinken.
Featherduster 15.02.2015
3.
Zitat von christian53Ob sich wohl doch noch die Erkenntnis durchsetzt, dass die Todesstrafe in einem demokratischen Rechtsstaat nichts zu suchen hat? Der staatlich sanktionierte Mord sollte möglichst bald der Vergangenheit angehören. Um seinen Bürgern klar zu machen, dass es falsch ist zu töten, sollte der Staat nicht selber Wehrlose töten dürfen. Eine Strafe beinhaltet die Merkmale Sühne und Besserung. Wer tot ist, kann sich naturgemäß nicht mehr bessern. Es geht nur noch um Vergeltung. Dieses Relikt aus barbarischen Zeiten hat keinen Platz in einer Gesellschaft, die so viel Wert auf die Einhaltung der Menschenrechte legt - mal ganz abgesehen von der Irreversibilität, die bei Fehlurteilen keine Wiedergutmachung mehr ermöglicht.
Ich finde die Todesstrafe so unangemessen nicht. Ein wiederholter Mörder, der beweist, dass er aus seinen Taten nichts gelernt hat, den sollte man nicht ewig einsperren und füttern. Selbstverständlich sollte die Hinrichtungsmethode effektiv sein und nicht unnützes Leid verursachen, auch dann nicht, wenn der Verurteilte derartiges "Mitgefühl" seinen Opfern >nicht< zukommenließ.
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