Peru Sieben Frauen wegen angeblicher »Hexerei« gefangen genommen und ausgepeitscht

Mehr als zwei Wochen lang befanden sie sich in der Gewalt sogenannter Bauernpatrouillen: In Peru sind mehrere Frauen als »Hexen« verdächtigt und misshandelt worden. Videos belegen ihr Martyrium.
Anden in Peru (Symbolbild)

Anden in Peru (Symbolbild)

Foto: Rodrigo Abd/ AP/dpa

Sieben Frauen in einem abgelegenen peruanischen Andendorf sind entführt und wegen des Vorwurfs der »Hexerei« ausgepeitscht worden. Sogenannte Bauernpatrouillen hätten die Frauen Ende Juni in Chillia gefangen genommen und längere Zeit festgehalten, nachdem Bewohner des Dorfes erkrankt oder gestorben waren.

Das teilten die peruanische Staatsanwaltschaft und die Ombudsfrau für Menschenrechte, Eliana Revollar, am Dienstag mit. Es wurden Ermittlungen eingeleitet.

Die peruanischen Behörden waren auf den Fall aufmerksam geworden, als in Onlinenetzwerken ein Video der Misshandlungen auftauchte. Auf diesem war zu sehen, wie eine der Frauen an einem Fuß aufgehängt und ausgepeitscht wurde. Eine weitere wurde nackt verhört.

Nachdem die Regierung einschritt und direkt mit der Bauernpatrouille kommunizierte, wurden die Frauen freigelassen. Sie sind laut Medienberichten zwischen 43 und 70 Jahre alt. Teilweise befanden sie sich rund zwei Wochen in der Gewalt ihrer Peiniger. Vor ihrer Freilassung mussten die Frauen den Angaben zufolge Dokumente unterschreiben, laut denen sie nicht gegen die Mitglieder der Patrouille aussagen – und diese auch nicht verhexen würden.

Nicht der erste Übergriff in der entlegegen Region

Ein Mann wurde von der Bauernpatrouille demnach ebenfalls festgenommen. Es gab aber keine Hinweise darauf, dass auch er misshandelt wurde.

Die Bauernpatrouillen wurden vor mehr als vier Jahrzehnten in Peru eingeführt, ursprünglich um Viehdiebstähle zu verhindern. Inzwischen fungieren sie in Teilen des ländlichen Perus als eine Art Ordnungshüter. Während der bewaffneten Konflikte in dem Land zwischen 1980 und 2000 griffen sie aber immer wieder auch aktiv mit ein.

Die Gruppen geraten bereits zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit in die Schlagzeilen. Zuletzt hatte ein Fernsehteam ihnen nach einer Recherche in der entlegegen Gegend Bedrohung und Übergriffe vorgeworfen.

jok/AFP
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