Anschlag auf Peter R. de Vries Polizei durchsucht mehrere Häuser und beschlagnahmt Munition

Dienstagabend wurde der bekannte Journalist Peter R. de Vries in Amsterdam Ziel eines Mordanschlags. Der 64-Jährige kämpft um sein Leben. Die Polizei hat bei Hausdurchsuchungen Munition gefunden.
Peter R. de Vries im Februar 2019 in Amsterdam

Peter R. de Vries im Februar 2019 in Amsterdam

Foto: Bas Czerwinski / AFP

Was ist passiert?

Dienstagabend gegen 19.30 Uhr wurde der niederländische Reporter Peter Rudolf de Vries in Amsterdam auf offener Straße niedergeschossen, nachdem er ein Fernsehstudio verlassen hatte. Eine Kugel traf ihn in den Kopf. Bei dem Anschlag wurde der 64-Jährige lebensgefährlich verletzt. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht und kämpft dort um sein Leben.

Der Tatort in Amsterdam

Welche Einzelheiten sind zu der Tat bekannt?

Ein Unbekannter gab nach Angaben von Augenzeugen mehrere Schüsse auf de Vries ab. Der Journalist war in einem Studio des Senders RTL Boulevard im Zentrum der Stadt zu Gast, wie die niederländische Zeitung »De Telegraaf« berichtet.  Demnach lief de Vries zum Parkhaus, als er angeschossen wurde. Er soll vier oder fünfmal getroffen worden sein. Auf Fotos und Videos in den sozialen Medien ist zu sehen, wie de Vries schwer verletzt am Boden lag. Umstehende hielten die Hand des Journalisten, bis die Rettungskräfte eintrafen.

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Wer ist Peter R. de Vries?

De Vries ist der führende Kriminalreporter der Niederlande und tritt regelmäßig auch als Sprecher von Opfern oder Zeugen bei Prozessen auf. Häufig ist er auch Gast bei TV-Talkshows. International bekannt wurde der Reporter 1987 mit seinem Bestseller über die Entführung des Bierbrauers Freddy Heineken. Im Jahr 2008 gewann er einen Emmy Award für seine Reportagen über den Fall von Natalee Holloway. Die Amerikanerin war 2005 auf der niederländischen Insel Aruba, die vor der Küste Venezuelas liegt, verschwunden und vermutlich von einem Niederländer getötet worden.

Der Journalist gilt in den Niederlanden als furchtloser Kämpfer für Gerechtigkeit. Bürgermeisterin Halsema würdigte ihn gar als »Nationalhelden«. In der Vergangenheit stand de Vries wegen seiner Recherchen in brisanten Fällen bereits unter Polizeischutz.

DER SPIEGEL

Was ist nach dem Anschlag passiert?

Die Polizei hat eine Sonderkommission zusammengestellt. Polizeichef Frank Paauw gab bekannt, dass ein Fluchtwagen auf der A4 auf der Höhe von Leidschendam gestoppt wurde. Zwei Menschen wurden festgenommen, darunter der mutmaßliche Schütze. Ein dritter Verdächtiger ist in Amsterdam-Osten festgenommen worden, wie die Polizei berichtet.  Ein Verdächtiger wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Bei den anderen beiden Verdächtigen soll es sich um einen 35-jährigen Polen und einen 21 Jahre alten Mann aus Rotterdam handeln. Bei Hausdurchsuchungen in Tiel, Maurik und Rotterdam soll Munition sichergestellt worden sein.

Gegen 19.40 Uhr wurden laut »De Telegraaf« über die Plattform Burgernet, in der Bürger Verbrechen in ihrer Umgebung melden können, bereits Beschreibungen des mutmaßlichen Täters verbreitet. Demnach soll dieser klein und hager gewesen sein. Er soll eine dunkelgrüne Jacke mit Tarnflecken und eine schwarze Mütze getragen haben. Die Polizei bat darum, keine Aufnahmen der Tat in den sozialen Medien zu verbreiten.

Was sind mögliche Motive für den Anschlag?

Dazu gibt es noch keine offiziellen Informationen. Allerdings wird in den Niederlanden über Verwicklungen der Organisierten Kriminalität spekuliert. Denn Peter Rudolf de Vries fungiert als Vertrauensperson des Kronzeugen Nabil B. in einem großen Prozess gegen Bandenführer Ridouan Taghi. Der gilt in den Niederlanden als Staatsfeind Nummer eins und wurde im Dezember 2019 in Dubai festgenommen. Staatsanwälte beschrieben seine Organisation als »gut geölte Tötungsmaschine«.

Vor zwei Jahren waren der Bruder und der Anwalt des Kronzeugen erschossen worden. De Vries selbst sagte damals, er stehe auf der Todesliste von Ridouan Taghi. Der im März eröffnete Prozess findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt.

Welche Reaktionen gibt es?

König Willem-Alexander, der mit seiner Frau Máxima gerade in Deutschland ist, bezeichnete den Anschlag als »eine Attacke auf den Journalismus«. Aus Berlin reagierte das Königspaar »tief geschockt«. »Journalisten müssen ohne Bedrohung und frei ihre wichtige Arbeit tun können«, schreiben Willem-Alexander und Máxima auf Facebook. Auch der Ministerpräsident der Niederlande, Mark Rutte, sprach von einem »Anschlag auf den freien Journalismus.«

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»Peter R. de Vries kämpft um sein Leben«, sagte die Bürgermeisterin von Amsterdam, Femke Halsema.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte auf Twitter, Journalisten, die potenziellen Machtmissbrauch untersuchen, seien »keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung für unsere Demokratien und unsere Gesellschaften«. Auch die Bundesregierung verurteilte den »hinterhältigen Angriff« auf das Schärfste.

Die Mutter von Natalee Holloway, über die de Vries berichtete, sagte, sie sei erschüttert über die Tat. »Ich versuche verzweifelt, seine Familie zu erreichen.«

Die Organisation »Reporter ohne Grenzen« forderte eine »unverzügliche, lückenlose Aufklärung dieses Verbrechens«. Geschäftsführer Christian Mihr erklärte, es müsse geprüft werden, »ob de Vries wegen seiner kritischen und furchtlosen journalistischen Tätigkeit zum Opfer organisierter Kriminalität wurde«.

che/him/lmd/kha/dpa/AFP/Reuters
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