Pfaffenhofen an der Ilm Polizei überwältigte Geiselnehmer mit Taser

Die Geiselnahme in Oberbayern hat die Polizei mit einer Elektroschockwaffe beendet. Landesinnenminister Herrmann will den Test der Taser in Bayern nun ausweiten.

SEK-Polizist mit Taser an der Weste am Tatort
REUTERS

SEK-Polizist mit Taser an der Weste am Tatort


Die Polizei hat den Geiselnehmer von Pfaffenhofen mit einer Elektroschockpistole überwältigt. "Die heutige Geiselnahme hat erneut unter Beweis gestellt, dass der Einsatz von 'Tasern' in bestimmten Situationen eine sehr sinnvolle Ergänzung zu den schon jetzt vorhandenen Einsatzmitteln der bayerischen Polizei ist", teilte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit. Mehr als 300 Beamte seien wegen der Tat in Oberbayern im Einsatz gewesen.

Der 28-jährige Täter hatte eine Sachbearbeiterin des Jugendamts als Geisel genommen. Er verletzte die 31-jährige Frau mit einem Messer. Das Motiv des Mannes sei ein Sorgerechtsstreit gewesen, sagte Polizeipräsident Günther Gietl. Der Mann habe gefordert, dass seine anderthalb Jahre alte Tochter, die derzeit bei einer Pflegefamilie lebt, zurück in die Obhut der Mutter kommt.

Fast zeitgleich mit der Befreiung der Frau gab Herrmann auf seiner Internetseite bekannt, den Test von Tasern bei der bayerischen Polizei auszuweiten. Ab Mitte 2018 will er zusätzliche Elektroschocker einführen - bei den sogenannten Unterstützungskommandos der Bereitschaftspolizei und der Polizeipräsidien von Mittelfranken und München. Bereits seit 2006 werden die Geräte von den Spezialkräften der bayerischen Polizei probeweise verwendet.

Herrmann zufolge hatten Experten im Münchner Innenministerium festgestellt, dass diese nicht-tödlichen Waffen neben Schlagstock, Pfefferspray und Schusswaffe eine "zusätzliche Handlungsalternative" für Beamte in bestimmten Situationen seien - beispielsweise wenn ein Mensch im Drogenrausch eine Gefahr für sich und andere darstelle.

Mit Elektroschockpistolen können kleine Metallpfeile über mehrere Meter Entfernung auf Menschen geschossen werden. Die Pfeile hängen an Drähten, über die elektrische Hochspannung übertragen wird. Durch die elektrischen Schläge werden die Getroffenen kurzzeitig außer Gefecht gesetzt. Kritiker - darunter die Menschenrechtsorganisation Amnesty International - warnen, der Elektroschock könne für Menschen mit schwachen Herzen gefährlich bis tödlich sein. Die Hemmschwelle für Polizisten, die Taser einzusetzen, sei niedrig.

Der Geiselnehmer von Pfaffenhofen soll nun einem Haftrichter vorgeführt werden. Dieser soll die Schuldfähigkeit des 28-Jährigen prüfen, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Wolfram Herrle. Der Mann habe psychische Probleme - daher werde geprüft, ob er in Haft komme oder in eine Spezialklinik. Gegen den in Kasachstan geborenen Deutschen war laut Polizei bereits zuvor wegen Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt worden.

apr/dpa/AFP

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