Geiselnahme im Jugendamt "Der Täter spricht mit uns"

In einem Jugendamt in Oberbayern wird eine Mitarbeiterin seit dem Morgen mit einer Waffe bedroht. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz - und hat Kontakt zum Täter.

Pfaffenhofen-today.de

Ein Geiselnehmer hat im Jugendamt Pfaffenhofen an der Ilm eine Mitarbeiterin in seine Gewalt gebracht und bedroht sie mit einer Waffe. Der Mann verbarrikadierte sich in einem Büro im dritten Stock des Gebäudes und ließ den Rollladen des Fensters herunter. Die Polizei nahm telefonischen Kontakt zu dem 28-Jährigen auf, wie ein Sprecher mitteilte. Beamte versuchen, ihn zur Aufgabe zu bewegen.

Die Verhandlungsgruppe der Polizei ist im Gespräch mit dem Mann. "Der Täter spricht mit uns", sagte der Sprecher Hans-Peter Kammerer. Die speziell für Geiselnahmen geschulten Beamten versuchten, deeskalierend auf den Mann einzuwirken. Die 31-jährige Sachbearbeiterin ist den Angaben zufolge psychisch stabil. Sie habe lediglich eine leichte Schürfwunde. Es könne derzeit nicht eingeordnet werden, woher die Verletzung stammt.

Zum möglichen Motiv des Mannes wollte sich die Polizei aus einsatztaktischen Gründen vorerst nicht äußern, auch nicht zu Berichten, wonach Hintergrund der Geiselnahme ein Sorgerechtsstreit des 28-Jährigen sein könnte. Es bestehe lediglich "ein gewisser Verdacht".

Kammerer sagte, Opfer und mutmaßlicher Täter hätten vor der Geiselnahme wohl "berufsmäßigen Kontakt" zueinander gehabt. Der mutmaßliche Täter ist den Angaben zufolge mindestens mit einem Messer bewaffnet. Ob er weitere Waffen bei sich hat, ist unklar.

Beamte haben das in unmittelbarer Nähe des Landratsamtes in Pfaffenhofen gelegene Gebäude weiträumig abgesperrt. Es war bereits kurz nach Beginn der Geiselnahme geräumt worden. Derzeit befänden sich lediglich Opfer und Täter in dem Haus, sagte der Sprecher. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort. Auch mehrere Krankenwagen und Ärzte sowie Sanitäter wurden zum Tatort geschickt.

Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord in Ingolstadt bat darum, keine Bilder oder Videos vom Tatort zu verbreiten. Solche Bilder im Netz könnten dem Täter helfen, twitterte die Polizei.

fok/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.