Pharma-Konzern Pfizer untersagt Einsatz seiner Medikamente bei Hinrichtungen

Der Pharmakonzern Pfizer will seine Medikamente nicht länger bei der Vollstreckung der Todesstrafe zulassen. Das berichtet die "New York Times". Damit versiegt die letzte legale Quelle für solche Medikamente in den USA.

Zelle eines Todeskandidaten in US-Gefängnis
REUTERS

Zelle eines Todeskandidaten in US-Gefängnis


Der US-Pharmakonzern Pfizer will die Auslieferung seiner Medikamente stärker kontrollieren und so verhindern, dass seine Produkte für die Herstellung von Todesspritzen verwendet werden. Das hat das Unternehmen einem Bericht der "New York Times" zufolge beschlossen. Damit würde die letzte verbleibende Quelle für Medikamente, die bei Hinrichtungen verwendet werden, vom Markt verschwinden.

Mehr als 20 Pharmahersteller aus Europa und den USA haben bereits ähnliche Einschränkungen für den Verkauf ihrer Produkte durchgesetzt. Dabei spielten sowohl moralische als auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle. Dass nun auch einer der führenden Medikamentenhersteller weltweit sich dieser Entscheidung anschließt, kann laut "New York Times" als Meilenstein betrachtet werden.

"Mit der Ankündigung von Pfizer haben alle von der FDA zugelassenen Hersteller potenzieller Hinrichtungsmedikamente den Verkauf ihrer Produkte für diesen Zweck gesperrt," sagte Maya Foa von der Menschenrechtsorganisation Reprieve in London der "New York Times". "Nun müssen Staaten, die die Todesstrafe vollstrecken, sich die Medizin für die Herstellung von Todesspritzen im Untergrund besorgen."

Die FDA, die Food und Drug Administration, ist die Lebensmittelüberwachungsbehörde der USA, die auch für die Freigabe von Medikamenten zuständig ist. Sie untersteht dem Gesundheitsministerium. Die Behörde kontrolliert die Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten.

Hinrichtungen per Todesspritze sind in den vergangenen fünf Jahren immer problematischer geworden, da Pharmakonzerne Imageschäden fürchten und ihre Erzeugnisse nicht mehr zur Verfügung stellen.

Eine Reihe qualvoller Hinrichtungen hatte zuletzt die Grundsatzdebatte über die Todesstrafe verschärft. Weil europäische Firmen sich seit Längerem weigern, die zuvor für die Giftcocktails genutzten Medikamente zu liefern, experimentierten Behörden mit kaum erprobten Mischungen.

Viele Bundesstaaten setzen die Vollstreckung der Todesstrafe aus, auch der Zuspruch in der Bevölkerung sinkt. Zuletzt hat Ohio beschlossen, bis Anfang 2017 keinen Todeskandidaten hinzurichten. Immer öfter wird bekannt, dass Unschuldige zum Tode verurteilt und teilweise auch hingerichtet wurden.

Der Beschluss des Pharmakonzerns Pfizer macht es den Behörden nun noch schwerer, die nötigen Mittel für die tödlichen Spritzen zu beschaffen.

asc



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