Pforzheim Rockerbanden liefern sich blutigen Kampf

Das Motiv ist unklar: Schwer bewaffnet sind Hells Angels in Pforzheim auf Rocker der United Tribuns losgegangen. Ein Mensch schwebt in Lebensgefahr. Die zunehmende Gewalt und Kriminalität, die von Rockerbanden ausgeht, beschäftigt auch die Politik.

Beweisaufnahme: Auf einem Pforzheimer Parkplatz haben 50 Rocker gekämpft
DPA

Beweisaufnahme: Auf einem Pforzheimer Parkplatz haben 50 Rocker gekämpft


Pforzheim - Mit Baseballschlägern, Macheten und Schusswaffen sind zwei verfeindete Rockerbanden im baden-württembergischen Pforzheim aufeinander losgegangen. Bei dem brutalen Streit zwischen Hells Angels und United Tribuns wurden am Samstagmorgen drei Menschen verletzt. Ein 31 Jahre alter Mann - Mitglied der Rockergruppe United Tribuns - liegt mit schweren Stichwunden im Krankenhaus, er schwebt nach Polizeiangaben in Lebensgefahr.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Hells Angels die Mitglieder der United Tribuns an ihrem Treffpunkt angegriffen hatten. Schätzungsweise 50 Rocker waren an der Auseinandersetzung beteiligt, die Angels in der Überzahl. Das Motiv ist unklar. Die Verdächtigten schweigen.

Am Morgen hatten sich einige Mitglieder der United Tribuns aus dem Raum Pforzheim am Parkplatz eines Lebensmitteldiscounters versammelt. Sie arbeiten als Türsteher und hatten gerade ihre Nachtschicht beendet. Plötzlich tauchten nach Angaben der Polizei die Hells Angels auf und schlugen mit Baseballschlägern die Scheiben von drei Fahrzeugen der United Tribuns ein. Dann begann der Kampf. Schüsse fielen. Durch einen Notruf verständigt, rückte die Polizei an. Die Einsatzkräfte nahmen noch am Tatort 14 verdächtige Schläger fest.

Ein Rocker der Hells Angels erlitt durch einen Schlag eine schwere Verletzung am Kopf. Ein weiteres 25-jähriges Mitglied der Rockerbande wurde mit einer Machete verletzt. Ein Teil der Hells Angels entging laut Polizei zunächst der Festnahme und flüchtete zum Clubheim. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei umstellte das Gebäude und stürmte die Vereinsräume. Dabei nahmen die Polizisten 13 weitere Verdächtige fest.

Sachsen-Anhalts Innenminister fordert Rockerclub-Verbot

Vor allem die Hells Angels sorgen mit Straftaten immer wieder für Schlagzeilen. Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD) forderte ein bundesweites Verbot von Rockerclubs. Dies sei seiner Meinung nach die beste Lösung gegen die zunehmende Gewalt der Gruppierungen, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Innenministerkonferenz habe bereits im Mai Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gebeten, ein bundesweites Verbot der Rockerbanden zu prüfen.

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes weiten deutsche Rockerbanden ihre kriminellen Aktivitäten ins Ausland aus. "Wir erleben eine Expansion der Rockergruppen über die Grenzen Deutschlands hinaus, vor allem nach Südosteuropa, in die Türkei und nach Albanien", sagte der Vize-Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jürgen Stock, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Nach Ansicht Stocks sind Rocker keine friedlichen Motorradfahrer, "sondern immer häufiger Schwerkriminelle". "Die Zunahme organisierter Kriminalität, die von Rockergruppen ausgeht, sehen wir mit Sorge", so Stock.

Deutsche Rockervereinigungen seien im Ausland dort im Drogenschmuggel, aber auch in den Bereichen Erpressung und Menschenhandel aktiv. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte der Zeitung, die großen Rockergruppen hätten neue Untergruppen gegründet. Sie seien "deutlich auf Expansionskurs".

wbr/dpa/dapd



insgesamt 27 Beiträge
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maros 27.11.2010
1. Wie sind denn die drauf?
Fahren unter Flagge (Colour) los, verprügeln eine andere Gang, fahren dann in ihr Clubheim, um sich dort anschließend verhaften zu lassen? Richtig ausgefuchst...
Christian W., 27.11.2010
2. .
Durch ein Verbot wird das Problem selbstverständlich gelöst. Eine sehr gute und vor allem durchdachte Idee!
annalüse 27.11.2010
3. .
Zitat von sysopDas Motiv ist unklar: Schwer bewaffnet sind Hells Angels in Pforzheim auf Rocker der United Tribuns losgegangen. Ein Mensch schwebt in Lebensgefahr. Die zunehmende Gewalt und Kriminalität, die von Rockerbanden ausgeht, beschäftigt auch die Politik. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,731545,00.html
Ich finde es blamabel, dass sich die Politik oder was größeres als der Dorfsheriff damit beschäftigt. Damit wird "den Jungs" doch erst der "RESPECT" zuteil, auf den sie es anlegen. Vergesst die Kutten und haftet weg, was kriminell ist.
archie, 27.11.2010
4. Antwort
Zitat von marosFahren unter Flagge (Colour) los, verprügeln eine andere Gang, fahren dann in ihr Clubheim, um sich dort anschließend verhaften zu lassen? Richtig ausgefuchst...
Wen wundert's? Das sind doch die Nichtmigranten von der Restschule. Die stehen dann vor meinem Schreibtisch: "Was möchtest du mal werden?" "Irgendwas mit Security, das wäre cool."
achwas53 27.11.2010
5. Motive
Zitat von sysopDas Motiv ist unklar: Schwer bewaffnet sind Hells Angels in Pforzheim auf Rocker der United Tribuns losgegangen. Ein Mensch schwebt in Lebensgefahr. Die zunehmende Gewalt und Kriminalität, die von Rockerbanden ausgeht, beschäftigt auch die Politik. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,731545,00.html
Das Motiv sind Marktanteile im Bargeschäft(Gastronomie,Puffs,Schutzgeld usw.)alles Schwarzgeld. Da sind "Mitbewerber"nicht so gerne gesehen. ;-)
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