Phantom-Fall Keine Ermittlungen gegen Wattestäbchen-Firma

Im Fall der "Phantom"-Panne aufgrund verunreinigter Wattestäbchen wird gegen die Lieferanten der Abstrichbestecke nicht ermittelt. Ein Anfangsverdacht gegen die Firma wegen Vorspiegelung falscher Tatsachen hat sich laut Staatsanwaltschaft nicht feststellen lassen.


Stuttgart - Von der Medizinbedarf-Firma Greiner Bio-One in Frickenhausen stammten die DNA-verseuchten Wattestäbchen, durch die die Polizei bei den Ermittlungen zum Heilbronner Polizistenmord auf eine falsche Fährte geführt worden war. Die Staatsanwaltschaft hatte seit Ende März geprüft, ob sich der Vertreiber strafbar gemacht haben könnte.

Hintergrund des "Beobachtungsvorgangs" waren Medienberichte, wonach die Firma in Qualitätszertifikaten die DNA-Freiheit der Stäbchen garantiert haben soll. Nun gab die Staatsanwaltschaft Stuttgart bekannt, dass es gegen die Lieferanten der Abstrichbestecke kein Ermittlungsverfahren geben werde. Der Beobachtungsvorgang gegen das Unternehmen sei beendet worden, sagte ein Sprecher der Behörde am Freitag. Ein Anfangsverdacht gegen die Firma wegen Vorspiegelung falscher Tatsachen habe sich nicht feststellen lassen.

Im März war bekanntgeworden, dass es das wegen des Polizistenmordes und zahlreicher anderer Straftaten gesuchte "Phantom" nie gegeben hat. Die an rund 40 Tatorten sichergestellte DNA-Spur der vermeintlichen Schwerverbrecherin war durch verunreinigte Wattestäbchen entstanden.

Die Firma Greiner hatte bei Bekanntwerden der DNA-Panne zunächst erklärt, die Wattestäbchen seien zur Erhebung von Tatortspuren überhaupt nicht geeignet gewesen. Später ruderte sie aber zurück und räumte ein, dass bis 2004 "irrtümlich" Zertifikate zur DNA-Freiheit einigen Lieferungen beigelegt worden seien. In den Medienberichten, die die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen hatten, war auch davon die Rede gewesen, dass die Firma unmittelbar nach Bekanntwerden der Panne auf ihrer Homepage den Inhalt zu den Abstrichbestecken geändert haben soll. Dies hatte das Unternehmen zurückgewiesen.

In einer am Freitag verbreiteten Mitteilung zeigte sich die Firmenleitung mit der Entscheidung der Staatsanwaltschaft zufrieden.

Die Ermittler seien zu dem gleichen Ergebnis gekommen wie unabhängige Gutachter, die das Unternehmen eingesetzt habe. Der Vorwurf der Manipulation der Homepage habe dabei "vollumfänglich ausgeräumt" werden können.

jjc/ddp



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