Tod vor laufender Kamera Familie des erschossenen Philando Castile erhält Entschädigung

Sein Tod sorgte weltweit für Entsetzen: Vor einem Jahr wurde der Afro-Amerikaner Philando Castile von Polizisten erschossen, seine Freundin streamte alles auf Facebook. Nun erhält die Familie eine Entschädigung.

Demonstrationen für ermordeten Philando Castile
AP

Demonstrationen für ermordeten Philando Castile


Knapp ein Jahr nach den tödlichen Polizeischüssen auf den Afroamerikaner Philando Castile, dessen Todeskampf live auf Facebook übertragen wurde, haben sich die Angehörigen mit der Stadt St. Anthony auf eine Entschädigung geeinigt. Die Stadt im US-Bundesstaat Minnesota zahle der Familie knapp drei Millionen US-Dollar (2,7 Millionen Euro), hieß es am Montag.

Die außergerichtliche Einigung wende einen Zivilprozess vor einem Bundesgericht ab, "der Jahre hätte dauern" können, hoben die Kommune und Castiles Familie in einer gemeinsamen Erklärung hervor. "Keine Geldsumme kann Philando jemals ersetzen", hieß es weiter. Die Entschädigung soll demnach in eine nach Castile benannte Stiftung fließen.

Castiles Lebensgefährtin Diamond Reynolds hatte ihren sterbenden Freund gefilmt, die Aufnahme wurde live auf Facebook übertragen. Der gewaltsame Tod des 32-Jährigen Anfang Juli 2016 sorgte landesweit für Entsetzen. Die vierjährige Tochter von Reynolds saß während des Vorfalls auf dem Rücksitz.

Nach Aussage von Reynolds war das Auto wegen eines kaputten Rücklichts angehalten worden. Castile habe dann dem Polizisten gesagt, dass er legal eine Waffe dabei habe. Als er seinen Waffenschein und die Fahrzeugpapiere herausholen wollte, habe der Polizist auf ihn geschossen. Ein vergangene Woche veröffentlichtes Video aus dem Polizeiwagen zeigt, dass der Wortwechsel zwischen Castile und dem Polizisten Jeronimo Yanez weniger als eine Minute dauerte.

Die Stadtverwaltung von St. Anthony, einem Vorort von Minnesotas Hauptstadt St. Paul, hatte den Polizisten nach dem Vorfall entlassen. In einem Strafprozess wurde er vor anderthalb Wochen aber in allen Punkten freigesprochen. Dies löste heftige Proteste aus.

Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze haben in den vergangenen Jahren in den USA wiederholt für Empörung und Aufruhr gesorgt. Verurteilungen von Polizisten sind selten.

Behörden veröffentlichten Dashcam-Video von tödlichen Schüssen:

REUTERS

bam/AFP



insgesamt 28 Beiträge
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schillerphone 26.06.2017
1. Traurig, dass der Man erschossen wurde.
Aber warum hört er nicht auf den Polizisten? Ich kann nicht mal ansatzweise nachvollziehen warum er seine Aktivitäten nicht einstellt, wenn der Polizist ihn dazu auffordert? Das Gespräch war doch bis dahin völlig normal. Der Polizist macht keinen rassistischen Eindruck auf mich. Hätte er seine Aktivitäten eingestellt, dann würde er noch leben. Natürlich hätte der Polizist auch besonnener reagieren können. Aber was ist, wenn der Fahrer plötzlich doch eine Waffe gezogen hätte?
May 26.06.2017
2.
Der Polizist hatte ihn mehrfach gewarnt, sogar versucht ihn physisch zurückzuhalten und daran zu hindern seine Waffe zu ziehen. All das ist klar auf dem Video zu sehen und daher wurde der Polizist auch in allen Belangen freigesprochen, von einer bunten Jury, schwarz wie weiß, Mann wie Frau. Hier ein Rassismusproblem zu konstruieren ist schon sehr perfide und sorgt nur für eine weitere Eskalation der Gewalt.
W/Mutbürger 26.06.2017
3. Mir tut
das Kind leid. Live die Tötung seines Vaters mitzubekommen dürfte mehr als traumatisch enden. Und das durch einen Polizisten, der ja "Freund und Helfer" sein soll.
Das Pferd 26.06.2017
4.
mag sein. Aber auf "Depp sein" steht nicht die Todesstrafe. Mit tun alle leid. Der Polizist, das Opfer, das Kind, die Frau........ Wenn ich es richtig verstehe, hat hier einer eine falsche Handbewegung gemacht (unter tausenden Verkehrskontrollen macht eben mal jemand eine falsche Handbewegung), und der Polizist hat reagiert. Nicht strafbar, aber vielleicht hätte er die Sache auch deeskalieren können. Aber das ist egal, wenn Polizisten in 99% die Situation im Griff haben, gibt es immer noch solche furchtbaren Unglücke. Schuld sind diese verdammten Waffen! Natürlich ist auch in Deutschland ein Polizist angespannter, wenn jemand ihm sagt, daß er eine Waffe mit sich führt. Das dürfte aber um Größenordnungen seltener vorkommen. Damit geht eben auch um Größenordnungen seltener so etwas so dramatisch schief.
NewYork76 26.06.2017
5. Unsinn
Zitat von MayDer Polizist hatte ihn mehrfach gewarnt, sogar versucht ihn physisch zurückzuhalten und daran zu hindern seine Waffe zu ziehen. All das ist klar auf dem Video zu sehen und daher wurde der Polizist auch in allen Belangen freigesprochen, von einer bunten Jury, schwarz wie weiß, Mann wie Frau. Hier ein Rassismusproblem zu konstruieren ist schon sehr perfide und sorgt nur für eine weitere Eskalation der Gewalt.
Was Sie hier schreiben ist Unsinn. Haben Sie das Dashcam-Video gesehen? Das was ich auf diesem Video sehe und hoere ist eine Familie, die sich bei einer Polizeikontrolle an absolut alle Regeln haelt und (unfassbar genug) selbst nach den Schuessen den Polizisten noch respektvoll mit "Sir" anspricht. Und dann ist da ein Polizist, der das Wort "Gun" hoert und daraufhin vollkommen die Nerven verliert und vor den Augen der 4-jaehrigen Tochter mit 4!!! Schuessen toetet. Ich verstehe, dass manche hier argumentieren: "Einfach den Anweisungen folgen, dann passiert auch nichts." Nur leider funktioniert das fuer Schwarze hier nur manchmal. Muss erst ein Polizist einen unbewaffneten Schwarzen in den Ruecken schiessen, um verurteilt zu werden? Ach...Moment. Das hatten wir ja auch schon. Das Problem ist eine Kombination aus schlechtem Polizei-Training, Rassismus und laschen Waffengesetzen. Es gibt keine einfache Loesung fuer diese Probleme. Also bitte versuchen Sie nicht so zu tun als ob Rassismus keine Rolle spielt und kein Problem existiert solange man nur die Answeisungen der Polizisten befolgt.
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