Pistorius-Prozess Ex-Polizist räumt Ermittlungspannen ein

Eine verschwundene Uhr, schlampiges Vorgehen am Tatort: Im Mordprozess gegen Oscar Pistorius hat ein früherer Polizist seine Ex-Kollegen belastet. "Ich wage gar nicht, daran zu denken, was bei diesen Ermittlungen noch alles schiefgelaufen ist", sagte Giliam van Rensburg.

Ex-Polizist van Rensburg: "Der Ballistiker hantierte ohne Handschuhe an der Waffe rum"
AP

Ex-Polizist van Rensburg: "Der Ballistiker hantierte ohne Handschuhe an der Waffe rum"


Pretoria - Im Mordprozess gegen Oscar Pistorius in Südafrika sind schwere Ermittlungspannen erörtert worden: Im Zeugenstand räumte der frühere Leiter der zuständigen Polizeidienststelle ein, dass ein Kollege die Tatwaffe ohne Schutzhandschuhe angefasst habe. Zudem sei eine wertvolle Uhr aus dem Besitz des angeklagten Sprintstars spurlos vom Tatort verschwand, sagte Giliam van Rensburg.

"Der Ballistiker hantierte ohne Handschuhe an der Waffe rum. Er hatte schon das Magazin herausgenommen", sagte der im vergangenen Jahr aus dem Polizeidienst ausgeschiedene van Rensburg. "Ich habe ihn gefragt: Was machen Sie da? Er hat 'Entschuldigung' gesagt, sie an ihren Platz zurückgelegt und dann nur seine Handschuhe aus seiner Tasche gezogen."

Außerdem sei er Zeuge des mutmaßlichen Uhr-Diebstahls geworden, sagte van Rensburg. Er habe es "nicht fassen" können. "Wir waren da. Wie konnte diese Uhr verschwinden?", sagte er aus. "Ich war wütend." Weder eine Durchsuchung der Ermittler noch der Fahrzeuge hätte etwas ergeben. Eine Untersuchung sei eingeleitet worden, aber auch diese habe keine Ergebnisse erbracht. Die Pannen waren bereits während der Voranhörungen zu dem Prozess im vergangenen Jahr bekanntgeworden. "Ich wage gar nicht, daran zu denken, was bei diesen Ermittlungen noch alles schiefgelaufen ist", sagte van Rensburg.

Pistorius muss sich wegen der Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp seit Anfang März vor Gericht verantworten. Der an den Unterschenkeln amputierte Sprintstar hatte sie in der Nacht zum Valentinstag vergangenen Jahres durch die geschlossene WC-Tür seines Hauses erschossen. Er beteuert, das 29 Jahre alte Model für einen Einbrecher gehalten zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 27-Jährigen dagegen vor, Steenkamp nach einem Streit vorsätzlich getötet zu haben.

wit/AFP/sid

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