Rekonstruktion eines tragischen Kriminalfalls Der Fenstersturz von Hameln

Ein Mitglied der Großfamilie S. stürzt aus dem siebten Stock des Hamelner Amtsgerichts – und stirbt. Danach eskaliert die Gewalt. Was war zuvor geschehen?

Der Fall, der als Fenstersturz von Hameln in die Kriminalgeschichte eingeht, beginnt in einem Dorf. Gegen 21.30 Uhr am 13. Januar 2015 stürmt ein Mann in einer Halloween-Maske die Tankstelle von Aerzen und bedroht die Kassiererin. Er raubt Bargeld und Zigaretten und flieht in einem Auto.

Unter der Verkleidung steckt der 26-jährige Mohamed S ., Mitglied einer arabischen Großfamilie aus dem elf Kilometer entfernten Hameln. Die Polizei verhaftet ihn zwei Stunden später in einer Spielhalle. Unter einem Busch finden die Beamten eine Tüte mit der Beute, die Maske und eine Luftdruckpistole.

Danach überschlagen sich die Ereignisse: zunächst versucht der Bruder, Ibrahim S., den Täter vor dem Polizeigebäude aus dem Auto zu ziehen, doch die Gefangenenbefreiung scheitert. Beide müssen eine Nacht in der Gefängniszelle bleiben.

Als der Tankstellenräuber am nächsten Tag zum Haftprüfungstermin im Amtsgericht gebracht wird, kommt es zum Drama. Mohamed S. will fliehen, stürzt aus einem Fenster und stirbt.

Was jetzt folgt, ist eine Eskalation der Gewalt. Es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Clanmitgliedern und der Polizei. Steine fliegen, Reizgas kommt zum Einsatz, es gibt Verletzte.

In dieser Episode unseres Podcasts »Im Verhör« schildern die Investigativreporter Claas Meyer-Heuer und Thomas Heise die dramatischen Stunden in Hameln. Am Ende sagt ein erfahrener Polizeibeamter: »Ich hatte Angst um mein Leben.«